Was uns die Bildung wert ist : 106 200 000 000 Euro

Für die gesamte Bildung - von der Kita über die Universitäten bis zur Weiterbildung - gibt der Staat so viel Geld wie für die Rettung einer einzigen Bank. Zu viel oder zu wenig?

Gut gelernt. Der größte Teil der öffentlichen Bildungsausgaben fließt in die Schulen: 58 Milliarden Euro im Jahr.
Gut gelernt. Der größte Teil der öffentlichen Bildungsausgaben fließt in die Schulen: 58 Milliarden Euro im Jahr.Foto: Mike Wolff

Man könnte von dem Geld fast fünf Milliarden Rechtschreibduden kaufen. Oder 785 Millionen Schulranzen der Marke „Scout Easy II“. Man könnte auch vier Millionen Jahre lang in Harvard studieren (vorausgesetzt, die US-Elite-Universität erhöht die Studiengebühren in dem Zeitraum nicht, so es sie überhaupt so lange gibt).

Die Rede ist von 106,2 Milliarden – in Ziffern: 106 200 000 000 – Euro. So viel Geld werden Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr für Kitas, Schulen und Hochschulen ausgeben. Das gibt das Statistische Bundesamt bekannt. Im Vergleich zum Vorjahr seien die öffentlichen Bildungsausgaben um 2,6 Prozent gestiegen.

Nun schafft der Staat nicht Abermilliarden von Duden an. Auch für neue Schulbücher dürfte eher weniger Geld draufgehen, selbst wenn die meisten Mittel (58 Milliarden Euro) in die Schulen fließen. Das meiste kostet nämlich das Personal. Acht von zehn Euro, die für die Schule ausgegeben werden, erhalten Lehrerinnen und Lehrer, Sekretärinnen und Sekretäre, Hausmeisterinnen und Hausmeister als Gehalt.

Für Hochschulen (23,3 Milliarden Euro) und Kitas (15 Milliarden Euro) bleibt da schon nicht mehr so viel übrig, wobei auch hier das meiste das Personal bekommt. Sechs Milliarden Euro gibt der Staat aus, um Schüler und Studierende direkt zu unterstützen – beispielsweise durch das Bafög oder mit Stipendien. Für die Jugendarbeit – wie Freizeiteinrichtungen der Kommunen, Sport- oder Computerkurse – gibt es zwei Milliarden Euro. Das Motto vom „lebenslangen Lernen“ ist dagegen noch nicht in den Behörden angekommen: An Weiterbildungskursen wird gespart. „Die Kosten dafür werden auf die Teilnehmer abgewälzt“, tadeln die Statistiker.

Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass die Bildungsausgaben in diesen Zeiten überhaupt steigen. Werden Sonntagsreden auf einmal in Taten umgesetzt? Ein Blick in die Statistik zeigt, dass diese Hoffnung trügerisch sein könnte. Denn die Ausgaben werden durch Sonderprogramme gedopt. Allein 3,1 Milliarden Euro kommen in diesem Jahr aus dem Konjunkturprogramm, Schulen und Unis können damit Sanierungen angehen. Ohne den Posten würden die Ausgaben stagnieren.

Ob 106,2 Milliarden Euro nun viel Geld für die Bildung ist, dürfte ganz im Auge des Betrachters liegen. Im internationalen Vergleich gibt es immer noch Länder, die sich die Bildung deutlich mehr kosten lassen. Und zur Erinnerung: Das Geld hätte 2008 nur knapp ausgereicht, um eine einzige Bank, die Hypo Real Estate, zu retten.

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