Zeitung Heute : Was währt

Stefan Jacobs

Auch Finanzminister Hans Eichel hält eine Stärkung des US-Dollar für dringend notwendig. Was hätte Deutschland davon?

Die Goldmedaille als Exportweltmeister haben wir auch im vergangenen Jahr gewonnen: Nach einer vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes gingen Waren für 731 Milliarden Euro aus Deutschland in alle Welt – zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zwei Drittel der Exporte blieben in der EU. Hier wird meist in Euro abgerechnet, so dass der Dollarkurs keine direkte Rolle spielt.

Beim restlichen Drittel dagegen wird die Rechnung in Dollar gemacht – oder in asiatischen Währungen, die mehr oder weniger fest an ihn gekoppelt sind und folglich mit ihm schwächeln. Hier sind die deutschen Unternehmen doppelt gebeutelt: Zum einen, weil sie ihre in Europa hergestellten Produkte auf dem amerikanischen und asiatischen Markt relativ teuer anbieten müssen. Zum anderen, weil ihre – oft nur durch Preisnachlässe verdienten – Dollar, Yen oder Yuan in Euro wenig wert sind.

Auf dem G-7-Treffen Anfang Februar will Bundesfinanzminister Hans Eichel sich für eine Aufwertung des Dollar einsetzen. Der Erfolg hängt vom Verhalten der anderen Nationen ab: „Wenn wir die Einzigen sind, die ihre Stimme erheben, wird es schwierig“, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypovereinsbank.

Wenn es klappt und der Dollar steigt, werden deutsche Unternehmen ihre Produkte einfacher los und verdienen mehr daran. Selbst in Europa kann sich dieser Effekt bemerkbar machen: Wenn beispielsweise ein Spanier ein Auto kauft, zieht er vielleicht einen Toyota vor, den er – dem schwachen Yen sei Dank – zurzeit viel billiger bekommt als einen Opel.

Einen Haken hat die Sache: Auch Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet. So würde mit dem Dollar auch das Öl teurer, das die chemische Industrie (Exportquote 2003: 52%) zur Kunststoffproduktion braucht. Maschinenbauern (Quote: 51%) und Autoherstellern (59%) täten auch weiter steigende Stahlpreise weh. Allerdings würden diese Mehrkosten die Vorteile eines stärkeren Dollars nicht auffressen, versichert Konjunkturexperte Reinhard Kudiß vom Bundesverband der Deutschen Industrie.

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