Zeitung Heute : Was wie wirkt

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Inhalationsnarkotika gelangen in Form von Gas oder Dampf, mit Sauerstoff gemischt, durch eine Maske oder einen Intubationsschlauch in die Atemwege und von dort durch die Blutbahn ins Zentralnervensystem.

Äther, genauer DiäthylÄther war die Substanz, mit der die erste Allgemeinanästhesie glückte. Schon der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus soll damit im Jahr 1540 Hühner gefüttert haben, die den süßen Geschmack liebten: „…diese schlafen dann ein und wachen nach einer Weile ohne Schaden genommen zu haben wieder auf.“ Für die ersten Narkosen, bei denen Dämpfe über mullbespannte Masken verabreicht wurden, war Äther besonders geeignet, weil er nicht so leicht überdosiert werden kann und zudem muskelentspannend wirkt. Außerdem kann die Substanz gut kombiniert werden. Sie reizt allerdings die Atemwege, löst Erbrechen aus und musste wegen großer Explosionsgefahr aus modernen Operationssälen verbannt werden.

Chloroform (chemisch Trichlormethan) war lange in der Geburtshilfe populär, wird heute aber nur noch als Lösungsmittel verwendet. Die süßlich riechende Flüssigkeit ist für Herz und Leber giftig.

Lachgas (Distickstoffoxid) wirkt schon nach einer Minute und führt auch zu rascher Wiederkehr des Bewusstseins. Der Klassiker ist als Kurz- und Basisnarkotikum in Kombination mit anderen Stoffen weiter im Einsatz.

Halothan, eine halogenierte Kohlenwasserstoff-Verbindung, steht seit 1956 im Dienst der Anästhesisten und ist damit ebenfalls schon ein Veteran. Es riecht süßlich, wirkt stark und rasch, und seine Wirkung lässt sich gut steuern. Es macht allerdings nur in Maßen unempfindlich gegen Schmerz und muss deshalb mit anderen Mitteln kombiniert werden. Zudem kann es Leber und Herz schädigen.

Isofluran, Enfluran und ähnliche Mittel, die in Deutschland erst seit den 80er Jahren eingesetzt werden, sind mit diesen Risiken nicht behaftet. Sie führen schnell und sicher in tiefe Bewusstlosigkeit und entspannen die Muskulatur sehr effektiv. Davon ist allerdings auch das Atemzentrum betroffen, so dass die Patienten beatmet werden müssen.

Xenon, ein Edelgas, das auch als Füllgas für Glühlampen bekannt ist, ist erst in letzter Zeit wieder als Narkosemittel ins Gespräch gekommen. Die teure Substanz anästhesiert schonend und wirkungsvoll und kann heute in geschlossenen Systemen durch „Recycling“ sparsamer verwendet werden.

Injektionsnarkotika werden in eine Vene gegeben, meist per Dauerinfusion. Unter anderem gehören dazu die als Schlafmittel bekannten Barbiturate, die auf den Hirnstamm wirken und zu Schläfrigkeit führen.

Opiate werden bei manchen Narkoseformen zusätzlich für die Schmerzausschaltung eingesetzt. Sie wirken auf die Opiatrezeptoren im Gehirn und hemmen gleichzeitig das Atemzentrum. Durch gezielte chemische Veränderungen wurden hochwirksame Präparate entwickelt, deren Wirkung kurz ist und sehr gut gesteuert werden kann.

Fentanyl, das bei der Geiselbefreiung nach Angaben des russischen Gesundheitsministers in vernebelter Form eingesetzt wurde, gehört zu den morphinartigen Opiaten. Mit Morphin-Gegenspielern wie Naloxon, die das Opiat von den Andockstellen verdrängen, kann eingegriffen werden, wenn eine Narkose zu lang andauert.

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