Zeitung Heute : Was will die Gans in Kairo?

Junge Stimmen, frische Luft: Die Oper Oder-Spree lockt Musiktheaterfans in Brandenburgs Osten

Frederik Hanssen

Junge Gesichter gehören in Neuzelle zum Alltag. Vor 275 Jahren gründete Abt Marius ein Gymnasium in den Mauern von Brandenburgs schönstem Barockkloster. Zwar muss die Oberschule aufgrund von Schülermangel in Folge der dramatischen Geburtenrückgänge 2004 schließen, doch zumindest im Sommer wird man in Neuzelle weiterhin rosige Wangen und erhitzte Gesichter sehen können – wenn sich nämlich der Sängernachwuchs beim Festival „Oper Oder-Spree“ einfindet. Zum vierten Mal bereits verwandelt sich der Kreuzhof des Klosters in eine Open-Air-Bühne: Ab 31. Juli werden Mozarts Musiktheaterfragment „Die Gans von Kairo“ sowie Joseph Haydns komische Oper „La vera costanza“ für jeweils 200 Gäste unter freiem Himmel gespielt.

Haydns Verwechslungskomödie kommt dabei als Gastspiel vom Lausitzer Opernsommer. Die Musikfestivals aus Ostbrandenburg kooperieren nämlich erstmalig in diesem Jahr, um ein noch größeres Publikum ansprechen zu können. Insgesamt stehen so 15 Opernvorstellungen zur Auswahl. Außerdem wird es Liedernachmittage auf Burg Beeskow und im Schloss Branitz geben, sowie Operngalas in Neuzelle und Beeskow.

Der Lausitzer Opernsommer existiert seit 1993 und zeigt seine Produktionen im Gutshof Geisendorf, dem Gut Repten und im Schloss Branitz, im Stift Neuzelle wird seit 1998 während der Sommermonate Oper gemacht. Das traditionsreichste Musiktheaterprojekt der Gegend ist auf Burg Beeskow beheimatet. Dort rief die Gesangsprofessorin Jutta Schlegel 1991 das „Internationale Gesangsseminar“ ins Leben. Die Kammersängerin, die an der Berliner Universität der Künste lehrt, wurde im Jahr 2000 dann auch künstlerische Leiterin der Oper Oder-Spree. Sie betreut die jungen Sänger, die sich bei einer ersten Probenphase bereits jetzt schon in den mittelalterlichen Gemäuern von Beeskow auf die Premieren im Juli und August vorbereiten.

Ausgeschrieben wird das Festival stets deutschlandweit, doch es sind in diesem Jahr auch Teilnehmer aus der Ukraine oder China dabei. Das Orchester wiederum kommt aus Bulgarien. „Aufgrund unserer geographischen Lage direkt an der Oder geht der Blick natürlich immer auch gen Osten“, erklärt Produktionsleiter Hubert Hiersche. Das Publikum, das sich in den Anfangsjahren vor allem aus Berlin rekrutierte, kommt inzwischen aus der gesamten Republik. Manche Abende, wie die Premieren oder auch die „Oper in der Scheune“ im Dorf Sauen, sind dabei so beliebt, dass Interessierte mit dem Ticketkauf nicht erst bis zum Sommer warten sollten.

Informationen unter 033 652/ 8140, im Internet: www.stift-neuzelle.de , www.burg-beeskow.de ; Tickethotline: 0180 / 50 123 00

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