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Gestern wurde der Innovationspreis Berlin/Brandenburg verliehen. Die drei Preisträger konnten mit technischen Entwicklungen und Marktreife punkten

Roland Koch

Manfred Hennecke weiß, wovon er spricht. Das strahlt der große, kräftige Mann schon mit seinem Auftreten aus: ruhige Stimme, präzise Antworten. Das grau melierte Haar lässt auf zahlreiche Berufsjahre schließen. Hennecke ist der Präsident der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und nebenbei der Vorsitzende der Jury, die die Sieger des Innovationspreises Berlin/Brandenburg auswählt. Gestern war es wieder so weit. Die Preisträger 2004 wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch die Gesamtzahl der Bewerbungen sank in diesem Jahr um 45 auf 166 – und das konnte sich auch der Juryvorsitzende nicht erklären.

„Die Entscheidung ist uns so schwer gefallen wie selten zuvor“, sagte Hennecke. „Die Qualität der Einreichungen lag auch diesmal durchweg auf einem Spitzenniveau.“ Den Rückgang der Bewerberzahlen müsse man aber unkommentiert lassen – aus einem einfachen Grund: Man habe keine Erklärung dafür. „Die Innovationskraft der eingereichten Bewerbungen hat jedoch keinesfalls nachgelassen“, betonte der Juryvorsitzende.

In drei Sitzungen bewertete eine 16-köpfige Jury, die sich aus unabhängigen Vertretern aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zusammensetzte, in den vergangenen Monaten die Einreichungen. Gesucht wurden Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen, die eine wesentliche Innovation bedeuten und gleichzeitig eine fortgeschrittene Marktreife besitzen. Schließlich entschieden sich die Juroren für drei Preisträger:

Die Berliner Scienion AG von Holger Eickhoff wurde für die Entwicklung des Laborgeräts „sci Flexarrayer“ ausgezeichnet, das in der Biotechnologie bei der Analyse feinster Materialmengen Anwendung findet.

Die Berliner Firma sglux SolGel Technologie GmbH von Tilman Weiss und Oliver Hilt erhielt eine Auszeichnung für die Entwicklung einer preiswerten UV-Photodiode auf Titandioxid-Basis. Diese Dioden werden etwa für Messungen in Wetterstationen verwendet.

Die SeCoS GmbH und das Institut für Dünnschichttechnologie und Mikrosensorik e.V. (IDM) aus Brandenburg erhielten einen Preis für eine Technologie, die Handys oder PC’s vor Entladungen schützt (Weiteres Seite 19).

Alle drei Unternehmen erhielten in diesem Jahr ein Preisgeld von jeweils 10 000 Euro. Doch das Geld sei nicht der wesentliche Aspekt des Preises, sagte der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf, der den Innovationspreis gemeinsam mit dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns verlieh. Der Marketingeffekt sei für die Gewinner unter Umständen sehr viel bedeutender. Aber auch der Standort habe davon Vorteile. „Wir wollen die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft mit dem Preis unterstützen“, sagte der Wirtschaftssenator. „Innovationen sind das Wachstumsfeld, mit dem wir die Strukturprobleme der Region überwinden können.“

Vier weitere Wettbewerbsteilnehmer sind mit in die letzte Ausscheidungsrunde gelangt, konnten sich allerdings wegen mangelnder Marktfähigkeit nicht gegen die drei anderen durchsetzen. „Die Wall AG, die Optrel GbR, die Derdack GmbH und die Niemeier GmbH sollen aber dennoch von uns besonders erwähnt werden“, sagte Hennecke.

Von einer reinen Berliner Veranstaltung mit 300 Gästen im Jahr 1984 wuchs der Innovationspreis in den vergangenen 20 Jahren zu einem regionalen Großereignis heran. Zur feierlichen Preisverleihung in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG in Mitte wurden gestern abend 1000 geladene Gäste erwartet.

Insgesamt gab es bisher 81 Preisträger – die diesjährigen eingerechnet. Die Wettbewerbsbeiträge waren in diesem Jahr technisch und männlich dominiert. 100 Teilnehmer kamen aus Berlin, 62 aus Brandenburg und vier aus anderen Bundesländern. „Für die kommenden Jahre wünsche ich mir einen deutlichen Zuwachs an innovativen Dienstleistungen“, sagte Manfred Hennecke. „Dann hätten wir vielleicht auch wieder einen höheren Frauenanteil.“

Daran, dass der Preis auch in Zukunft verliehen wird, ließen Politiker beider Länder keinen Zweifel. „Er ist ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Berlin und Brandenburg“, sagte Wolf. „Und ein international anerkanntes Gütesiegel für einen innovationsfreudigen Standort.“

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