Zeitung Heute : Was zu beweisen ist

Clemens Wergin

Die iranische Regierung hat die „vorläufige“ Aussetzung ihres umstrittenen Programms zur Urananreicherung bekannt gegeben. Wie kommt es, dass Teheran weiterhin misstraut wird?

Wenn es nach Mohammed al Baradei geht, dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), ist Iran in Sachen Nuklearprogramm erst einmal aus dem Schneider. Nach seinem Bericht, der am Donnerstag vom Leitungsgremium der Behörde beraten wird, soll der Fall Iran beim nächsten Treffen nicht mehr automatisch auf der Tagesordnung stehen. Baradei will in Zukunft nur noch berichten, „wenn es angemessen ist“.

Dass die IAEO den Druck von Teheran nimmt, ist dem Abkommen mit Deutschland, Frankreich und England geschuldet, in dem Iran sich freiwillig bereit erklärte, die Urananreicherung und -produktion bis auf weiteres zu suspendieren. Allerdings waren in den letzten Tagen Zweifel aufgekommen am guten Willen Teherans, sich an den Geist der Abmachung zu halten. Mehrere Nachrichtenagenturen hatten mit Bezug auf IAEO-Quellen in Wien berichtet, dass Anlagen zur Urananreicherung in Iran auf Hochtouren laufen, um vor dem Inkrafttreten der Suspendierung am gestrigen Montag so viel Uranmaterial wie möglich herzustellen.

Wie weit Iran seit Juni gekommen ist, als es eine frühere Abmachung mit den drei EU-Staaten gebrochen hatte, ist dem Bericht teilweise zu entnehmen. Demnach hat Iran 40 bis 50 Tonnen Yellowcake produziert. 37 Tonnen davon hatte Iran dann begonnen in UF4 zu konvertieren und in den letzten Tagen offenbar in UF6, das dann in Gaszentrifugen angereichert werden kann zur Verwendung in Brennstäben – oder für waffenfähiges Material. Die hektische Aktivität Irans in den letzten Tagen deutet also eher darauf hin, dass Teheran gedenkt, die Urananreicherung zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen anstatt sich an die Abmachung zu halten.

Der Bericht al Baradeis verweist noch einmal auf die umfangreichen Täuschungsaktionen Teherans seit dem Bekanntwerden seines Nuklearprogramms im Februar 2003 bis zum Oktober desselben Jahres. Eine Taktik, die Iran aber auch danach weitergeführt hat. Etwa bei einer Anlage in Lavisan-Schian. Iran hatte den Inspekteuren den Zugang zur Anlage erst verweigert. Als die Kontrolleure der IAEO später doch Zutritt erhielten, waren die Gebäude komplett abgerissen und sogar Boden abgetragen worden, so dass die IAEO schreibt, „die Behörde ist nicht in der Lage die Natur der Aktivitäten herauszufinden, die dort stattgefunden haben“.

Angenähert haben sich die Positionen bei Spuren hochangereicherten Urans, die die IAEO in Zentrifugen fand. Die Erklärung Irans, die im Ausland gekauften Zentrifugen seien verunreinigt gewesen, halten die Inspekteure nun nicht mehr für gänzlich unmöglich. Anders sieht es bei den Versuchen Teherans aus, Polonium 210 herzustellen. Es wird für „kalte Tests“ an bestimmten Atomsprengköpfen benötigt. Die IAEO hält die Erklärung Teherans, man habe Nuklearbatterien herstellen wollen, für wenig plausibel.

Zuletzt hatte es Wirbel um die Behauptung Colin Powells gegeben, Iran entwickle Trägerraketen für Nuklearsprengköpfe. Wie US-Medien berichteten beruhte diese Information lediglich auf einem Informanten, der der CIA ein etwa 1000 Seiten starkes Dokumenten-Dossier übergeben hatte. Wie der Tagesspiegel jedoch aus Sicherheitskreisen erfuhr, verfügen auch andere westliche Dienste über Informationen, wonach Iran entsprechende Modifikationen an der Schahab-3-Rakete vornimmt, die eine Reichweite von bis zu 1500 Kilometern besitzt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben