Zeitung Heute : Was zu wählen wem wichtig war

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Die bescheidene Regierungsbilanz in Kiel, die katastrophale Bewertung der Wirtschaftslage und die mangelnde Kompetenzwahrnehmung bei der SPD führten nach Angaben von Wahlforschern zur Abwahl von RotGrün. Diesen Trend konnte auch der große Vorsprung bei der persönlichen Bewertung von Heide Simonis (SPD) vor ihrem Herausforderer Peter Harry Carstensen (CDU) nicht stoppen. Ohne die größere Beliebtheit der Ministerpräsidentin wäre das Ergebnis für Rot-Grün bei dem bundespolitischen Gegenwind noch schlechter ausgefallen, ermittelte die Forschungsgruppe Wahlen.

Zwar erzielt die Amtsinhaberin mit einem Durchschnittswert von 1,7 eine gute persönliche Bewertung auf der +5/-5-Skala, während ihr Kontrahent Carstensen nur auf 1,0 kommt. Und in der Woche vor der Wahl sprachen sich 52 Prozent der Wahlberechtigten beim gewünschten Ministerpräsidenten für die Spitzenkandidatin der SPD aus, lediglich 37 Prozent plädierten für ihren Herausforderer Peter Harry Carstensen. Die Zufriedenheit mit der Arbeit der von Simonis geführten Landesregierung fällt mit minus 0,1 für eine Landesregierung äußerst bescheiden aus, der grüne Koalitionspartner wird mit minus 0,7 explizit negativ bewertet. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat das Ansehen der rot-grünen Landesregierung damit stark gelitten, damals wurde sie noch mit plus 0,9 bewertet.

Dieses schlechte Ansehen geht einher mit massiven Verlusten für die SPD bei der Kompetenzzuweisung in wichtigen Themenfeldern. So waren vor fünf Jahren noch 38 Prozent der Meinung, dass die SPD am ehesten in der Lage sei, Arbeitsplätze im Land zu schaffen; nur 29 Prozent nannten die CDU, jetzt glauben nur noch 21 Prozent an die SPD und 36 Prozent vertrauen beim Thema Arbeitsmarkt der CDU.

Im Vergleich zur vorangegangenen Wahl wird die wirtschaftliche Lage außerordentlich negativ beurteilt. So halten jetzt 57 Prozent die wirtschaftliche Lage im Land für schlecht und nur 3 Prozent für gut (teils so/teils so 39 Prozent). Vor fünf Jahren sahen nur 18 Prozent schwarz und 20 Prozent glaubten an eine gute Wirtschaftslage (teils/teils 61 Prozent). Eine Mehrheit von 58 Prozent ist jetzt der Meinung, dass es Schleswig-Holstein wirtschaftlich schlechter geht, als einem der anderen alten Bundesländer.

Innerhalb der Berufsgruppen erreicht die SPD weiterhin bei den Arbeitern ihr bestes Ergebnis, allerdings muss sie im Vergleich zur Gesamtheit gerade hier mehr als doppelt so hohe Verluste hinnehmen (minus 13 Prozentpunkte).

Genauso wenden sich die Arbeitslosen (minus 13) von ihr ab. Die CDU schneidet vor allem bei den über 60-Jährigen gut ab, hier kommt sie auf 48 Prozent. Am meisten Stimmen haben die Christdemokraten bei den 30- bis 44-Jährigen gewonnen – acht Prozentpunkte. Bei den über 60-Jährigen erzielt die CDU ein Stimmenplus von fünf Prozentpunkten. In den anderen Altersgruppen gewinnt sie nur gering.

Die Visa-Affäre um Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte angeblich keinen wesentlichen Einfluss auf den Wahlausgang, analysierten die Experten am Sonntag. Auf die Frage, ob die Affäre im Wahlkampf ein wichtiges Thema für sie gewesen sei, antworteten 60 Prozent nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen mit Nein, 29 Prozent mit Ja. Die Affäre um den massenhaften Missbrauch von Visa könnte demnach aber Wähler von CDU und FDP zusätzlich motiviert haben, ihre Stimme abzugeben.

Für 63 Prozent der Befragten habe die politische Situation im Land die Hauptrolle gespielt, für 30 Prozent sei die Bundespolitik ausschlaggebend gewesen, stellte die Forschungsgruppe fest. Die CDU sei eine Ausnahme, sagte Forsa- Chef Manfred Güllner: „Für Anhänger der CDU steht die Bundespolitik stärker im Vordergrund als für die Anhänger der anderen Parteien, insbesondere der Grünen“, sagte Güllner dem Sender n-tv. Tsp

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