Washingtoner Forschungsinstitut Pew : Der Glaube an Europa lebt wieder

Es war in jüngster Zeit nicht gut bestellt um den Ruf der Europäischen Union in der Welt. Nun aber wächst das Vertrauen in die EU wieder - zu dieser Erkenntnis kommen ausgerechnet amerikanische Experten: das renommierte Pew-Forschungsinstitut aus Washington.

Das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.
Das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.Foto: Inga Kjer/dpa

Wenn es um die Europäische Union geht, ist zuletzt viel von Krise die Rede gewesen, wenig von Stabilität. Deswegen erstaunen auch die Erkenntnisse, die das renommierte Pew-Forschungsinstitut gesammelt hat: Demnach wächst das Vertrauen in die Europäische Union erstmals wieder. Das parteiunabhängige Washingtoner Institut hat zwischen April und Mai Befragungen in den sechs großen Ländern Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien durchgeführt. Die Länder hat Pew, wie es im Report heißt, gewählt, da sie für 70 Prozent der EU-Bevölkerung und 74 Prozent des Bruttosozialprodukts stehen.

In dem am Dienstag veröffentlichten Report kommen die Amerikaner zu dem Ergebnis, dass „sich der Glaube in das europäische Projekt wiederbelebt“. Wobei auch zu beobachten sei, dass länderübergreifend der Aufstieg euroskeptischer Parteien Gefallen findet. Und die Studie birgt noch eine weitere Erkenntnis: Dass Pew diese Studie durchgeführt hat, zeigt, mit welch verstärktem Interesse die Vereinigten Staaten derzeit auf die Vorgänge in der Europäischen Union blicken. Amerika unter US-Präsident Barack Obama ist – der NSA-Affäre und der pazifischen Ausrichtung zum Trotz – auch näher an die europäischen Partner gerückt.

Im Zuge der Eurokrise hatte die öffentliche Unterstützung für die EU sowie der Glaube, dass die wirtschaftliche Integration dem eigenen Land nützt, ihren Tiefpunkt erreicht. 2015 dagegen kommt der Studie zufolge das Vertrauen in die Union und in die Effizienz des gemeinsamen Markts in den großen Ländern der EU zurück. Der Optimismus geht demnach mit dem Vertrauen in die ökonomische Entwicklung einher.

Noch immer betrachten zwar die Bürger die wirtschaftliche Wirklichkeit in ihren Länder negativ. Aber die Zeichen wirtschaftlicher Erholung lassen die Menschen ganz offenkundig auf bessere Zeiten hoffen. Der Umfrage zufolge insbesondere in Spanien und in Großbritannien. Je besser sich die Wirtschaft entwickelt, desto positiver erscheint die EU.

Allerdings zeigt der Report auch dem widerstrebende Tendenzen. In vier der sechs Länder betrachten mehr als die Hälfte der Befragten euroskeptische Parteien mit Wohlwollen. Diese stellten, so die Ansicht der Befürworter solcher Parteien, „notwendige Fragen“. Wenig überraschend stehen dabei besonders Frankreich und der Front National im Fokus. Unterstützer der Euroskeptiker sind generell zumeist männlich, sie sind jung in Polen und Italien, älter in Großbritannien, sie zählen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien zum rechten politischen Spektrum, in Spanien und Italien zum linken.

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