Zeitung Heute : Wasser vom Fass

Nie waren die Reservoirs so gut gefüllt

Ursula Friedrich

In meinem Garten stehen zwei sehr hässliche grüne Wasserfässer aus Plastik. Sie stehen auf ebenso hässlichen Hockern, damit man aus ihren tief liegenden Hähnen Wasser herausfließen lassen kann. Warum sie aus diesem schreienden Grün sein müssen, weiß ich nicht. Es gibt keine anderen in den Gartencentern. Außer, Sie kaufen ein altes Eichenholzfass (circa 200 Euro) oder, noch teurer, einen Steintrog. Ein Plastikfass kostet samt Hocker 9,99 Euro, bei diesem Preisunterschied kann der Schönheitsfaktor mal zurückstehen. Hauptsache, die Wasserrechnung wird nicht so hoch wie letztes Jahr.

Wasser vom Fass mögen die Blumen am liebsten. Es ist warm, abgestanden, magnetisch aufgeladen, wenn es von einem Gewitterregen stammt, enthält es reichlich Mineralsalze und als Düngemittel ertrunkene Mückenlarven. Besonders Rosen gedeihen sehr gut. Leider schleiche ich diesen Sommer frustriert um meine Wassersilos herum. Ihr Wasser wird kaum gebraucht. Was in den Töpfen steht, ertrinkt sowieso.

„Was ist der größte Feind aller Gartenpflanzen?“, fragte mich mein alter Gärtner, von dem alle meine Büsche und Bäume sind. Die Antwort: Zu viel gießen. Die Gewächse schwimmen, verfaulen, sie kommen nicht zum Blühen, zum Duften schon gleich gar nicht. Gegen Überfluss, der direkt vom Himmel kommt, ist nicht viel zu machen. Ich habe im Fernsehen eine Hobbygärtnerin kennen gelernt, die ihre Pflanzen so gut erzogen hat, dass sie jede Dürre überstehen. Im Dauerregen allerdings können sie sich nicht selber helfen.

Ach, ich möchte einen sonnenheißen Garten, durch den sich ein künstliches Bächlein schlängelt, das ist der neueste Trend. Das Bächlein bildet hin und wieder einen kleinen Wasserfall oder ein Becken, in dem eine Seerose blüht. Das ist romantisch, das belebt, verlangt einige Arbeit und ein paar technische Geräte. Am Ende wird das Bächlein nämlich wieder an seinen Ursprung zurückgepumpt. Mit einer hoffentlich nicht grasgrünen Pumpe, die man durch ein bisschen Schilf kaschieren kann. Das möchte ich. Obwohl – ich kann das Wort Wasser schon gar nicht mehr hören. Eigentlich möchte ich nur noch Sonne, Sonne, Sonne. Sonne auf meinen hässlichen Fässern, Sonne auf meinen ertrunkenen Dahlien.

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