Zeitung Heute : Wassermangel und Wegegeld

Wassermangel Der auf Mallorca drohende Wassermangel macht einige ältere Urteile wieder aktuell. Das Amtsgericht Frankfurt (Aktenzeichen 2/18 O 427/80) sprach einem Urlauber nach 48 Stunden Wasserknappheit eine Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des Tagespreises zu, das Amtsgericht München (Aktenzeichen: 6 C 15458/80) hielt eine Minderung des Reisepreises um ein Drittel für angemessen, weil im Hotel während der gesamten Ferien zwischen 7 und 21 Uhr kein Wasser lief. Ist überhaupt kein Leitungswasser vorhanden und geschieht die Versorgung über Tankwagen, sind - so zeigt ein weiteres Urteil des Münchner Amtsgerichtes (unter folgendem Aktenzeichen: 2 C 295/79) - 20 Prozent Minderung möglich. tdt

Wegegeld Auch wenn der vom Appartement zum Speisesaal zurück zu legende Weg am Urlaubsort statt der im Prospekt pauschal angegebenen 400 Meter tatsächlich etwa 1000 Meter betragen hat, steht den Urlaubern kein Ersatz des dafür eingesetzten Mietwagens (hier verlangte jemand einen Wagen mit Kosten in Höhe von 1300 Mark für 14 Tage) zu. (Amtsgericht München, unter folgendem Aktenzeichen: 213 C 40417/99) W. B.

Wannenbad Rutscht ein Pauschalreisender im Hotel in der Badewanne aus, weil weder Handgriff noch eine Badematte vorhanden waren, so kann er dafür nicht den Reiseveranstalter haftbar machen und deshalb auch keine Reisepreisminderung verlangen; er ist einem "allgemeinen Lebensrisiko" erlegen. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 594/99-10) W. B.

Ausflug Knickt eine Urlauberin auf einem vom örtlichen Veranstalter organisierten Ausflug um, so kann sie dafür nicht den Reiseveranstalter haftbar machen, da es sich um ein "allgemeines Lebensrisiko" gehandelt hat. Unabhängig davon müssten entsprechende Ersatzforderungen gegebenenfalls gegen den örtlichen Veranstalter geltend gemacht werden, wenn der Ausflug nicht Teil des Pauschalreise-Paketes war. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 4346/98-12) W. B.

Plastik Wird das Hotelrestaurant im Reiseprospekt als "rustikal" angekündigt (hier: in Mexiko), treffen die Urlauber dort aber Plastikstühle und -tische an, so kann wegen dieses Reisemangels der Reisepreis gemindert werden (hier im Zusammenhang mit weiteren Mängeln - Diskomusik bis in die tiefe Nacht hinein - um 20 Prozent). (Amtsgericht Köln, AZ: 135 C 422/99) W. B.

Versicherung Hat ein Urlauber eine Reiserücktransportversicherung abgeschlossen und kommt es im Ausland (hier: in Griechenland) zum Fall der Fälle, beispielsweise wegen der Gefahr eines lebensbedrohlichen Harnstaus, so kann die Versicherung die Übernahme der Flugkosten (hier: 24 000 Mark) nicht mit der Begründung reduzieren (hier: auf 6000 Mark), der Heimflug sei unverhältnismäßig teuer gewesen. (Urteil am Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 5 U 109/98) W. B.

Mahlzeit Gibt ein Reiseveranstalter im Prospekt an, dass während einer Sieben-Tage-Reise im Rahmen der Halbpension "alle Mahlzeiten in Büfettform" geboten werden, so muss es auch sieben Mal zwei, also 14 solcher Essen geben; der auf den Flügen gereichte Imbiss darf dabei nicht mitzählen, stellte das Gericht fest. (Amtsgericht Neuss, Aktenzeichen: 44 C 318/99) W. B.

Gipsbein Bucht eine Frau eine Rundreise, so kann sie nicht die vollen Leistungen aus ihrer Reiserücktrittskostenversicherung beanspruchen, wenn sie sich drei Wochen vorher den Fuß bricht, die Reise aber erst zu spät storniert - da ein längerer Heilungsprozess abzusehen war und die Reise nur mit Gipsbein hätte absolviert werden können. Die Versicherung muss nur den Stornosatz tragen, der bei sofortigem Rücktritt angefallen wäre. Im vorliegenden Fall hätte das 18 Prozent ausgemacht. (Urteil des Amtsgerichts Berlin-Wedding, Aktenzeichen: 16 C 293/98) W. B.

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