Zeitung Heute : Wassermann und Königskinder

Mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen widmet sich „Kulturland Brandenburg e.V.“ dem Wasser

Marion Hartig

„Viele Rechte, geballter Frust, überall Menschen, die sich als Verlierer der Wende fühlen – mit diesem oft auch über die Medien verbreiteten Image hat Brandenburg zu kämpfen“, sagt Brigitte Faber-Schmidt. Sie ist Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg, einem Verein, der alles daran setzt, solche Bilder gerade zu rücken und zu zeigen, was das Land zu bieten hat: Mit Ausstellungen, Kunst, Theater und Projekten zu jährlich wechselnden Themen macht er auf Kulturgüter, Geschichte und auch Gegenwartskultur aufmerksam. Im ersten Veranstaltungsjahr, 1998, standen Fontanes Spuren in der Mark im Mittelpunkt, in den folgenden Jahren zum Beispiel Preußen, Europa und Schinkel. 2007 nun geht es um das Thema Wasser. Denn: Wasser gehört zu den größten Schätzen der Mark.

Das Land Brandenburg zählt zu den gewässerreichsten Regionen Deutschlands. Gut 10 000 Seen schmiegen sich zwischen Wälder und Hügel. Über 32 000 Kilometer Flüsse schlängeln sich durch die Landschaft. Es gibt ein dichtes Netz an Wasserstraßen, Kanälen und Schleusen, auf dem Schiffer und Hobby-Skipper bis zum Meer gelangen können.

Die rund 300 Kulturland-Veranstaltungen in diesem Jahr richten den Blick aber weniger auf die traumhaften Verhältnisse für Wassersportler und Schiffer. Die sind weitgehend bekannt. Sie wenden sich vielmehr der Frage zu, welche Rolle das Wasser in der Geschichte und Kultur der Mark spielt, wie Dörfer und Städte entlang der Flüsse aus dem Boden wuchsen und sich Industrie angesiedelt hat. Die Besucher können sich informieren über die lange Tradition der Fischerei, die Folgen des Jahrhunderthochwassers und die Wassergeister in der brandenburgisch geprägten, romantischen Literatur von Clemens Brentano, Heinrich Heine, Friedrich de la Motte Fouqué oder ETA Hoffmann. Außerdem ist jede Menge „Wasser-Kunst“ angesagt.

Mit einem bunten Kulturfest in Frankfurt(Oder) wird das Themenjahr am 11. Mai eröffnet. „An die Oder! Do Odry“ heißt das Motto des Tages, der zu beiden Seiten des Grenzflusses, in Frankfurt und Slubice, mit Theater, Musik, Kunst und Wasserfestspielen gefeiert wird. Eine Open-Air-Ausstellung erinnert daran, dass vor zehn Jahren die Oder das Land unter Wasser setzte. Außerdem kann man sich ansehen, wie die Katastrophe die Region verändert hat: Das lange als „Hinterhof“ Frankfurts geltende Flussufer ist zu einer hübschen Promenade umgestaltet worden, die zum Spazierengehen und Radfahren einlädt.

In den historischen Stadtkernen von Belzig, Brandenburg, Lenzen, Peitz und Uebigau können Besucher vom 25. Mai an auf Entdeckungsreise durch die regionale Geschichte gehen. Unter dem Titel „gebändigt, genutzt, gewonnen“ erklären Hinweisschilder in den jeweiligen Orten, wie das Wohl der Städte immer auch vom vorhandenen Wasser abhing. Flüsse wurde als Handelswege genutzt, Wassergräben zum Schutz vor Feinden, Wasserquellen zur Ernährung. Mit Rinnen, Rohren oder Kanälen wurde das Wasser gelenkt und in Brunnen und Becken aufgefangen. Aus dem Naturgut wurde ein Kulturgut – und auch eine Gefahr. Immer wieder zerstörten Unwetter und Überschwemmungen Dörfer und Städte.

Im Mittelpunkt einer Präsentation im Industriemuseum Brandenburg, die ab Juli zu sehen ist, geht es um das Wasser als Standortfaktor für die industrielle Entwicklung der Stadt. Die Schau zeichnet die Geschichte von den ersten Ansiedlungen in den deutschen Gründerjahren über den Bau von Industriebetrieben in der DDR bis zur heutigen Situation nach.

Kunst unter dem Titel „Wassermann und Königskinder“ sind bei der aquamediale 3 auf der Schloss- und Liebesinsel in Lübben zu sehen. 14 europäische Künstler setzen sich mit der paradiesischen wie auch der gefährlichen Seite des Elements auseinander. Ihre Objekte und schwimmenden Installationen zu sozialen und kulturellen Erscheinungen des Wassers werden vom 16. Juni bis zum 16. September in, auf, über und neben den Spreefließen zu sehen sein: Die Stationen der Kunstwerke lassen sich vom Lübbener Hafen aus mit dem Spreewaldkahn abfahren. Auch Kinder und Jugendliche machen Kunst. In verschiedenen Projekten in Potsdam, Blankenfelde und Fürstenwalde fotografieren und töpfern sie zum Thema Wasser. Die Ergebnisse sind ab Juli in einer Ausstellung in Potsdam zu sehen.

Natürlich fehlen auch die königlichen Herrschaftshäuser und Landschaften nicht im Kulturland-Programm. Führungen in Schloss Sanssouci lenken den Blick auf das Wasser als Gestaltungsmotiv der Innenarchitektur. „Preußisch Grün und Märkisch Blau“ ist eine Veranstaltung überschrieben, in der man am 2. September das Schloss Sacrow und den künstlerisch gestalteten Park vom Wasser aus erleben kann.

Das Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2007 ist vom 28. Februar an im Internet abrufbar unter www.kulturland-brandenburg.de. Informationen unter Telefon: 0331/58 160.

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