Zeitung Heute : We are not amused - US-Kult bricht keine deutschen Tabus

Tina Angerer

RTL. Darauf haben wir seit Wochen gewartet: Endlich kommt auch in Deutschlands Wohnzimmer die US-Unverschämtheit, die die biedere Satire-Kultur im deutschen Fernsehen revolutionieren würde. Die politisch Korrekten standen bereit zum Schlag gegen die böse Kult-Comedy aus den USA. Doch es war wie an Weihnachten, wo statt des Mountainbikes doch nur das Rad vom großen Bruder unterm Baum stand. Halslose Mini-Monster ohne Mimik wandelten durchs Bild, größere Tricktechnik unnötig. Vor dem ersten Werbeblock waren Exkremente in allen Farben zu sehen, und die Drittklässler Stan, Kyle und Cartman deklinierten die Pfui-Liste der deutschen Sprache durch.

Nachdem auch der Running Gag, der Tod des kleinen Kenny, abgespult war (er wurde überfahren), war bei den jungen wilden Mainzelmännchen die Luft raus. Doch stellte sich weder Entsetzen noch leises dreckiges Lachen ein. Was im Mutterland in Zeichentrick verpackt werden muss, bricht im deutschen Fernsehen noch lange keine Tabus. Witze über Polen, Schwule und dicke Kinder hat längst Harald Schmidt gerissen und über Fäkalien haben wir schon bei "Werner" nicht gelacht. Darmlärm made in USA reicht nicht zum Kult.

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