Zeitung Heute : Web-Signatur: Den Amerikanern sind wir voraus (Interview)

Die Gesetze für die digitale Unterschrift in

Berthold Stukenbröker ist Chef des Berliner Signatur-Anbieters D-Trust.





Die Gesetze für die digitale Unterschrift in Deutschland liegen seit 1997 vor. Warum ist der digitale Ausweis noch nicht eingeführt?

Das Gesetz ist ja nichts weiter als die Grundlage für künftige Anwendungen. Und die müssen erst in die Welt gebracht werden, zum Beispiel eine Signier-Funktion in E-Mail-Programmen. Das dauert, auch weil die rechtlichen Vorgaben tief in die technischen Standard eingreifen. Nicht alles, was das deutsche Gesetz bei den digitalen Signaturen fordert, gibt es schon.

Was fehlt?

Eine Sicherheits-Chipkarte, die Träger der Signatur ist. Heute eingesetzte Karten, wie zum Beispiel die von Post und Telekom, sind wegen erkannter Abhörmöglichkeiten in der Sicherheitsklasse zurückgestuft worden.

Die Chipkarte als europäischer Signatur-Träger ist Konsens?

Ja. Das, was die Gesetze fordern, können nur Chipkarten leisten. In Amerika arbeitet man mit Software-Schlüsseln, die irgendwo auf Disketten oder Servern liegen. Man hält das für sicher genug. Da sind wir den Amerikanern voraus. Auch bei der Technik dafür.

Die Jahresgebühr für die Signaturkarte soll über 100 Mark kosten, dazu kommen noch Gebühren für jede Transaktion. Warum?

Weil hinter der Chipkarte Kosten für Material und für Versicherungen stecken. Die Preise beziehen sich auf die höchste Sicherheitsklasse. Ich glaube fest, dass 90 Prozent der Anwender diesen Standard nicht brauchen.

Werden sie künftig digital unterschreiben?

Ja. Intern machen wir das schon.

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