Zeitung Heute : Webboxen ermöglichen es, das TV-Gerät als Internet-Terminal zu verwenden. Wie gut sind die Geräte?

Holger Schlösser

Mehr als einen Fernseher, einen Telefonanschluss und eine kleine schwarze Kiste braucht man nicht, um im Internet zu surfen. Das jedenfalls versprechen die Hersteller sogenannter Webboxen. Ohne Investition in komplizierte Hardware - und vor allem ohne PC-Kenntnisse - sollen Online-Dienste genutzt, E-Mails verschickt und Homepages aufgerufen werden können - per Infrarot-Tastatur einfach vom Fernsehsessel aus.

Die "Surfstation" von Schneider (1399 Mark) war eines der ersten Geräte in diesem Markt, und schneidet bis heute in Tests von Computerzeitschriften gut ab. Kein Wunder, an Funktionen lässt das Gerät kaum Wünsche offen: Internet, E-Mail, Fax, Telefon, CD-Spieler und die Möglichkeit, normale PC-Anwendungen zu installieren, lassen auch kritische Computerfreaks verstummen. Unter dem Gehäuse steckt ein ausgewachsener Windows-95-PC.

Doch anders als viele herkömmliche Rechner funktioniert das Gerät ohne große Software-Installationen und lässt sich auch vom Laien leicht bedienen. Adressbuch, Kalender, Pinwand, Taschenrechner, Pager und einen kleinen Internet-Katalog mit wichtigen Homepages bringt die Surfstation gleich mit.

Die Programme der Surfstation sind ausgesprochen intuitiv zu bedienen. Statt eines Windows-Bildschirms wurde ein Wohnzimmer nachgebildet. Ein Mausklick auf den CD-Player genügt schon, um normale Musik-CDs abzuspielen. Ebenso einfach ist das Versenden von Faxen oder E-Mails. Ins Internet gelangt man wahlweise über einen Internet-by-Call-Anbieter wie Arcor und TalkNet oder nach Anmeldung über Provider wie T-Online, Viag und RealNet. Negativ schlagen lediglich die recht schlechte Bildschirmdarstellung und der hohe Preis zu Buche.

Günstiger kommt man mit der Edgar-Box weg (799 Mark), die ebenfalls ein CD-Laufwerk beinhaltet. Ohne das vom PC gewohnte Installationschaos kann man mit der Edgar Box Surfen, Mailen und Musikhören - nur leider nicht gleichzeitig wie bei der Surfstation. Auch ist die Bedienungsoberfläche ein wenig zu simpel. Zum Surfen mit dem integrierten schnellen 56K-Modem benötigt man hier einen T-Online-Account. Bier und Weisswürste bequem online von der Wohnzimmer-Couch nach Hause zu bestellen, wie es die Eigenwerbung verheisst, können zur Zeit leider nur Münchner. Bis nach Berlin reicht der Lieferservice noch nicht.

Mit der Met@Box kauft man nicht bloß ein Gerät, sondern mietet gleich einen echten Internet-Provider (je nach Gerät für 29,90 DM/Monat oder 39,90 DM/Monat). Zum schnellen Internet-Zugang bietet die Met@box auch ein großes Angebot kostenloser News über einen TV-Kanal mit Meldungen aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung.

Dafür muss die Kiste einfach an einen Sat-Receiver oder die Buchse des Kabelfernsehens angeschlossen und der Kanal des Nachrichtensenders nt-v angewählt werden. Über diesen kommen die von einer Redaktion eigens aufbereiteten Meldungen ins Wohnzimmer. Die Bedienungsoberfläche der Webbox ist browserorientiert und sehr übersichtlich. Und auch die TV-Darstellung ist sehr gut, da zwei Bildschirmauflösungen ausgewählt werden können.

So leistungsfähig die Webboxen mittlerweile auch sind - einen echten PC-Ersatz stellen diese nicht dar. Grafik- oder Textprogramme, Spiele oder die schwarzen Bretter des Internet bleiben den Anwendern verschlossen. Doch hier sehen die Hersteller nicht die Zielgruppe ihrer Geräte. Wer keine Lust hat, sich mit Hard- und Software am PC herumzuschlagen und einfach schnell in der Werbepause seines Lieblingsfilms eine E-Mail verschicken will, für den kann sich eine Webbox durchaus lohnen. Doch bis Internet und Fernsehen zusammenwachsen, der Computerbildschirm gar überflüssig wird, bis dahin werden noch viele PCs verkauft werden.

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