Zeitung Heute : Website: www.etagezwo.de

Kurt Sagatz

Zwei Sachen will die jetzt gestartete Online-Soap "Etage Zwo" des ZDF, die die Internet-Gemeinde die nächsten zwanzig Wochen begleiten soll, nicht sein: Eine Fortsetzung von Big Brother mit den Mitteln des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im Internet oder der simple Transport einer bestehenden TV-Soap als Online-Stream.

Ähnlich den Versuchen, eine spezifische Internet-Literatur mit unterschiedlichen Erzählsträngen zu schaffen, die per Hyperlink verbunden sind, besteht auch Etage Zwo nicht aus einer einzelnen, sich kontinuierlich aufbauenden Handlung. Genau wie bei der Hypertext-Literatur entscheidet der Internet-Besucher der virtuellen Fabriketage mit seinen Start-Up-Unternehmen durch sein Klick-Verhalten, wie sich die Handlung für ihn aufbaut. Je nachdem, für welchen der Protagonisten er sich entscheidet, wird sich seine Perspektive des Geschehens verändern. Denn verständlicherweise hat der geschäftstüchtige Enno als Betreiber des Startup-Incubators andere Ziele als beispielsweise die junge Headhunterin Kristyn oder der sensiblere Fosch mit seiner Agentur für Web-Illustrationen oder eben Anna mit ihrer Seitensprung-Agentur, die zum Fehltritt gleich das Alibi mitliefert.

Die Umsetzung der Geschichte ist für Internet-Verhältnisse äußerst aufwendig ausgefallen. Für die Vielzahl der Ebenen und Handlungsstränge stehen sinnbildlich die verschiedenen Sites. Um dem multimedialen Anspruch der Macher gerecht zu werden, benötigt der Besucher des Web-Experiments einen schnellen Multimedia-Rechner, dessen Internet-Browser zudem Quicktime-Videos und Flash-Animationen verarbeiten können muss.

Doch nicht nur technisch verlangt der ZDF-Versuch, der zusammen mit den Internet-Experten von Network Movie und Kabel New Media umgesetzt wurde, dem Web-Zuschauer einiges ab. Der Reiz des Formats besteht schließlich darin, als Dauergast jeden Tag bei Etage Zwo vorbeizuschauen, um die neuesten Irrungen und Wirrungen zu verfolgen, denn im Fernsehen wird Etage Zwo nur montags in verschiedenen Sendungen vom Mittagsmagazin bis nach dem Spätfilm zu sehen sein. Ein durchaus interessantes Experiment also.

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