Zeitung Heute : Wechselwelten

Christina Tilmann

Für Mr. Rochester haben wir alle geschwärmt: den finsteren, stolzen Helden aus Charlotte Brontes romantischem Liebesroman „Jane Eyre“. Nicht auszudenken, dass die sanfte Jane am Ende des Buches mit ihrem arroganten Cousin John Rivers als Missionarin nach Afrika gehen sollte, statt die Hand von Mr. Rochester. Auch Thursday Next, Literaturagentin und Hauptfigur in Jasper Ffordes erstem Roman „Der Fall Jane Eyre“ (schöner allerdings der englische Titel: „The Eyre Affair“) hadert mit dem Schicksal Mr. Rochesters. Nicht nur, dass sie als Kind die Möglichkeit hatte, einmal in die Welt der Jane Eyre überzuwechseln: auch als erwachsene Frau liegt es in ihrer Hand, die beiden Liebenden endlich glücklich zusammenzuführen.

Es ist eine wilde Zukunftsvision, halb Science-Fiction, halb Krimi, halb Liebesgeschichte, halb literarischer Schlüsselroman, den der walisische Schriftsteller und Kameramann Jasper Fforde entworfen hat: eine Welt, in der alle verrückt sind nach Literatur, in der Erstausgaben bewacht werden wie Kronjuwelen, in der sich Miltonianer und Byron-Fans bis aufs Blut bekriegen, die Urheberschaft der Shakespeare’schen Werke das meistdiskutierte politische Problem ist und die wagemutige Literaturagentin Thursday Next den Auftrag bekommt, den finsteren Verbrecher Acheron Hades an der Entführung von Jane Eyre zu hindern. Gäbe es nicht die Möglichkeit, mit einem Literaturportal zwischen den Welten zu wechseln und die Zeit gelegentlich auch einmal rückwärts laufen zu lassen, Thursday Next wäre schon mehrere Male auf der Strecke geblieben.

Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre. Roman. Aus dem Englischen von Thomas Mohr. dtv, München. 380 Seiten, 14,50 €.

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