WEGBEGLEITER : Der Kommissar geht um

Foto: picture-alliance / radio tele no

DER ERFINDER

Der 75-jährige Rentner Gunther Witte lebt in Berlin und gibt Interviews. Darin erzählt er, wie sein damaliger Chef im WDR, Günther Rohrbach, ihn anbrüllte, der „Kommissar“ im ZDF müsse aus dem Sattel gehoben werden; wie er in Erinnerung an eine frühe Hörfunksendung des RIAS den „Tatort“ erfand und in der zögernden ARD schließlich durchsetzte. Für dieses sein Lebenswerk, hat er den Adolf-Grimme-Preis bekommen. Als das Privatfernsehen der ARD zusetzte, gab es den Plan, die Sendezeit auf 60 Minuten zu verkürzen. Witte organisierte den Widerstand. Heute ist er überzeugt: „Mich überlebt der ,Tatort‘ auf jeden Fall.“

DER KONKURRENT

Ein Jahr nach dem „Tatort“ ging – ebenfalls sonntags um 20:15 Uhr – der „DDR“-Tatort „Polizeiruf 110“ auf Sendung. Aber mit Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) gehörte von Beginn an eine empfindsame Frau zur „zentralen Fahndungsgruppe“ unter dem jovialen Peter Fuchs (Peter Borgelt). Sieben bis neun Folgen wurden jährlich produziert und ins Ausland verkauft. Es ging um Alkohol, Heiratsschwindler und sogar Rechtsextremismus. 153 Folgen waren es bis zum 22. Dezember 1991. Als einzige DDR-Sendung überhaupt aber wird das Format im Ersten fortgeführt – nun als ländliche Ergänzung zum urbanen „Tatort“.

DER EWIGE

Er war etwas Besonderes: Horst Schimanski, der proletarisch-prügelnde Bulle aus dem Pott. Polizisten und Lokalpolitiker aus Duisburg sahen den Ruf ihrer Stadt ruiniert, bis der damalige Oberbürgermeister Josef Krings „Schimmi“ ans Herz drückte. Götz George spielte schlafwandlerisch sicher den harten Kerl und verwundbaren Beschützer. Nur 29 Mal ging „Schimmi“ auf Verbrecherjagd und wurde doch wie kein anderer zur „Tatort“-Inkarnation. Noch heute führt er die Beliebtheitsskala der Kommissare an.

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