WEGBEGLEITER : Der Schmerz als Weltgeschichte

DIE ELTERN

Jan und Elli Friedländer.

Saul Friedländers Vater – im I. Weltkrieg habsburgischer Artillerieoffizier – war Vizepräsident einer deutschen Versicherung. Wegen der Besetzung Prags 1939 floh die Familie nach Frankreich. Beim dortigen Einmarsch der Deutschen sahen die Eltern für sich keine Fluchtmöglichkeit und gaben den Sohn in ein katholisches Internat. Später wurden die Eltern in Auschwitz ermordet. Friedländer überlebte unter dem Namen Paul-Henri Ferland.

DER KONTRAHENT

Martin Broszat (1926–1989) war

einer der bekanntesten deutschen Holocaust-Forscher. 1984 veröffentlichte der damalige Leiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte ein „Plädoyer für eine Historisierung des Nationalsozialismus“. Daraus entwickelte sich ein emotional geführter Briefwechsel mit Friedländer zu der Frage, ob man die NS-Zeit historisieren könne. „Diese Vorstellung von einer totalen Objektivität ist eine Illusion, und es ist viel besser zu wissen, dass man beteiligt ist, um dann darüber zu reflektieren“, sagte Friedländer später über den Streit.

DER KOLLEGE

Raul Hilberg (1926–2007) beschäftigte sich mit dem Holocaust, seit er 1948 als Mitarbeiter des US-Justizministeriums bei den Nürnberger Prozessen war. 1961 kam sein Debütwerk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ heraus. Friedländer sagt über Hilberg: „Ich bin ein Bewunderer Hilbergs und habe das Buch gleich gelesen, als es herauskam. Doch Hilberg hat sich ganz auf die deutsche Vernichtungsmaschinerie konzentriert, und ich habe versucht, eine Gesamtdarstellung des Holocaust zu schreiben, in der nicht nur die Perspektive auf ganz Europa ausgeweitet wird, sondern auch die Stimmen der Opfer stärker zu Gehör gebracht werden.“

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