WEGBEGLEITER : Vom Zehnten zum Bierdeckel

URSPRÜNGE

Seit Menschen in Gesellschaften zusammenleben, stellt sich die Frage, was der Einzelne für das Gemeinwohl leisten oder „beisteuern“ kann. Auch in der biblischen Geschichte sind Verweise auf solche Abgaben oder auch Tribute zu finden. „Alle Zehnten im Lande, beides vom Samen des Landes und von den Früchten der Bäume, sind des Herrn und sollen dem Herrn heilig sein“, heißt es im 3. Buch Mose. Und in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas heißt es über die Steuerschätzung des Kaisers Augustus: „Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“

MODERNISIERER

1891 reformierte der preußische Finanzminister Johannes von Miquel das Steuersystem grundsätzlich. Seine Reform setzte auf die Besteuerung nach Leistungsfähigkeit, hatte eine klare Definition von Steuerpflicht und führte die Bemessungsgrundlage, den Steuersatz, die Freistellung des Existenzminimums, Kinderfreibeträge und die Absetzung von Werbungskosten ein. Das danach verbleibende Einkommen wurde einem progressiven Steuertarif (in Stufen) unterworfen, der von 0,67 bis vier Prozent ging. Der Spitzensteuersatz griff ab 100 000 Mark – für damalige Verhältnisse ein extrem hohes Einkommen.

VORDENKER

Einer der radikalsten Steuervereinfacher ist Paul Kirchhof. Der ehemalige Verfassungsrichter war im Kompetenzteam der Union im Bundestagswahlkampf 2005 als Finanzminister vorgesehen und sorgte mit seinem Vorschlag, einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent (flat tax) einzuführen für heftige Kontroversen.

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