WEGBEGLEITER : Zum Eingreifen bereit

DER SCHEIDENDE



Seine Botschaft klingt wie eine Drohung. „Erfolgreiche Strategien wechselt man nicht aus“, mahnt der scheidende Parteivorsitzende Oskar Lafontaine seine Genossen beim Parteitag in Rostock. Und benennt, was ihm in der bevorstehenden Debatte über das Grundsatzprogramm der Linken wichtig ist: Die von ihm mitbegründete Partei sieht er nicht nur in der Tradition der Arbeiterbewegung, sondern auch der „Freiheitsbewegungen dieser Welt“ – angefangen bei den Sklavenaufständen im alten Rom bis zur friedlichen Revolution 1989. Die Linke sei die Partei des demokratischen Sozialismus, betont Lafontaine in seiner 40-minütigen Abschiedsrede – und weist darauf hin, dass die Linke ohne die PDS niemals möglich gewesen wäre. Demokratischer Sozialismus, das sei „eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung“. Wer nicht wisse, ob er am Monatsende seine Miete zahlen könne, sei auch nicht frei, beklagt der 66-Jährige. Um eine Demokratie aufzubauen, in der sich wieder die Interessen der Mehrheit durchsetzten, müsse es eine neue Wirtschaftsordnung geben: mit Belegschaftsbeteiligungen, einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte – und dem Recht auf Generalstreik.

DER HEIMLICHE

Er ist der Einzige, der aus der alten Führungsgarde weiter in der ersten Reihe tätig sein wird. Nachdem Lafontaine seinen Rückzug aus der Bundespolitik angekündigt hatte, setzte Gregor Gysi sich erfolgreich dafür ein, dass in einer Nachtsitzung der Vorschlag für die neue Parteiführung ausgekungelt wurde – mit Gesine Lötzsch und Klaus Ernst an der Spitze. Er selbst stand als Parteichef nicht zur Verfügung. Das heißt nicht, dass er 2013 darauf verzichten wird, als Spitzenkandidat für die Linke in die Bundestagswahl zu ziehen. Gysi fällt nun eine

Schlüsselrolle bei dem Bemühen zu, die Parteiflügel aus Ost und West zusammenzu-

halten.

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