Zeitung Heute : Wege zum Kino

Viele träumen von einer Karriere beim Film. Profis von der Berlinale geben Tipps für den Nachwuchs

Oliver Trenkamp

Weltstars flanieren über den roten Teppich, Blitzlichter gewittern – die Berlinale läuft. Das Besondere in diesem Jahr: Es sind so viele deutsche Filme dabei wie nie zuvor. Uns auch international können Produktionen aus Deutschland punkten. Die Branche wächst und bietet ganz verschiedene Karrieren, die selten geradlinig verlaufen. Welche Wege führen zum Film? Der Tagesspiegel hat bei denen nachgefragt, die an den Berlinale-Filmen mitgearbeitet haben. Ein Regisseur, ein Kameramann, eine Produktionsdesignerin und ein Tonmeister erzählen, wie sie ihren Beruf gefunden haben.

DER REGISSEUR

Hans-Christian Schmid,

Berlinale-Film: „Requiem“.

Mein Weg zum Film begann bei der Schülerzeitung. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht – mich journalistisch für die Welt um mich herum zu interessieren und mit Menschen zu sprechen. Außerdem hatte ich eine Dunkelkammer und habe die Fotos gemacht. Man muss organisieren können und die Technik beherrschen. In erster Linie geht es aber darum, Geschichten von Menschen zu erzählen. Das ist wie beim Film. Für Regisseure gibt es kein Diplom, Regisseur ist kein geschützter Begriff. Vieles lässt sich auch nicht einfach theoretisch irgendwo lernen: Menschenkenntnis, Neugierde, Haltung – das muss man entwickeln. Und man darf weder Verantwortung noch Konflikte scheuen. Das hat mich aber weder bei der Schülerzeitung noch heute bei 50 Leuten am Drehort geschreckt. Ich habe mich damals an der Journalistenschule und an der Filmhochschule in München beworben. Genommen hat mich die Filmhochschule, da habe ich dann Dokumentarfilm studiert. Die Filmhochschulen sind heute noch der direkteste und beste Weg, um Regisseur zu werden – ganz egal, wie gut oder schlecht die Lehrpläne sind. Man verbringt ein halbes Jahrzehnt mit Menschen, die das gleiche wollen. Für mich war damals am wichtigsten, Kontakte zu knüpfen, die teilweise zwei Jahrzehnte gehalten haben. Meinen Produzenten von heute habe ich damals kennen gelernt. Es geht aber auch anders: Mit Selbstbewusstsein und Ideen. Wer sich hinstellt und sagt: „Ich mach das“, kann es auch schaffen.

DIE PRODUKTIONSDESIGNERIN

Conni Kotte: „Der freie Wille“.

Eigentlich gibt es mich in Deutschland gar nicht. Hier kümmern sich meist Szenenbildner, Maskenbildner und Kostümbildner jeweils um ihre Aufgabe. Mein Job ist es, den einzelnen Art Departments einen roten Faden zu geben, damit der Look des Films aus einem Guss ist. In den USA ist das selbstverständlich. Hier entwickelt sich das noch. Und genau das macht mir Spaß: Die anderen davon zu überzeugen, dass wir gemeinsam im Team kreativ sein können. Es geht nicht um Einzelinteressen. Ich diene allein der Geschichte. Der schönste und kreativste Moment meiner Arbeit? Wenn ich ein Drehbuch zum ersten Mal lese. Da entstehen die Bilder, da habe ich Ideen. Um Details kümmere ich mich später. Gelernt habe ich ursprünglich Inneneinrichterin, habe dann aber lange Jahre als Visagistin in der Werbefotografie gearbeitet. Das habe ich mir selbst beigebracht. Irgendwann habe ich dann nicht nur bei Fotosessions mitgearbeitet, sondern auch bei Werbespots. Eine Kamerafrau holte mich schließlich zum Film. Nach und nach habe ich dem Regisseur Vorschläge gemacht – auch für die Kostüme und das Szenenbild. Der Regisseur hieß Matthias Glasner und wusste das zu schätzen. Bei seinem Berlinale-Film „Der freie Wille“ bin ich jetzt ganz offiziell als Produktionsdesignerin dabei gewesen. Wenn jemand Metzger werden will, kann man sagen, wie. Bei mir geht das nicht so leicht. Ich empfehle, Berufserfahrung als Assistenz in Kostüm, Maske und Szenenbild zu sammeln. Dort muss man sich ein fundiertes Wissen aneignen. Und dann liegt es an einem selbst, andere von sich und seiner Idee zu überzeugen.“

DER FILMTONMEISTER

Raimund von Scheibner: „Sehnsucht“.

Als Tonmeister beim Film braucht man vor allem Nerven, da die Situation beim Dreh meist angespannt ist. Eine ganze Menge Leute sind zusammen unterwegs. Einzelgänger sind da eher schlecht aufgehoben, für mich ist diese soziale Komponente wichtig. In meiner Verantwortung liegt alles, was mit der Tonaufnahme zu tun hat. Wenn wir an einem Spielfilm arbeiten, nehme ich den Ton auf. Beispielsweise kümmere ich mich um die richtige Aussteuerung, und entscheide, welches Mikrofon sich für welche Situation am ehesten eignet. Der Berlinale-Film „Sehnsucht“, ist zwar ein Spielfilm, gedreht allerdings mit dokumentarischen Mitteln. Also ist auch der Ton dokumentarisch und man arbeitet ohne Assistenten. Gelernt habe ich Physiklaborant. Allerdings habe ich dann an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam studiert. Schon nach dem Grundstudium habe ich angefangen, zu arbeiten. Auf dem Markt gibt es aber auch eine Menge Quereinsteiger. Da die Preise immer weiter sinken, bieten sich auch Leute an, die nicht mit der nötigen Liebe bei der Sache sind. Die ganzen neuen, frei finanzierten Medienschulen sehe ich auch eher skeptisch. Deren Ausbildung ist sehr breit gefächert und vermittelt nicht die nötige Portion Praxis. Ähnlich sieht es bei den neuen Bachelor-Studiengängen aus. Tonmeister ist kein Beruf, den man nur aus Büchern lernen kann.

DER KAMERAMANN

Carl-Friedrich Koschnick:

„Elementarteilchen“.

Jedes Jahr kommen etwa 20 neue Kameraleute auf den Markt, die gar nicht untergebracht werden können. Trotzdem würde ich heute den Beruf wieder wählen. Mir macht es unheimlich viel Spaß, Bilder in Geschichten zu verwandeln. Zu meiner Zeit gab es noch keinen Studiengang „Kamera“ an den Filmhochschulen, ich habe damals an einer Fachschule Kameraassistent gelernt. Dann habe ich mich hochgearbeitet und hatte das Glück, einen kleinen Kinderfilm machen zu dürfen. Zufall und Glück gehören eben dazu, man muss aber auch hartnäckig sein, dem Produktionsdruck standhalten können. Grundsätzlich gibt es zwei Wege in den Beruf. Zum einen über die Filmhochschule: Da lernt man Nachwuchsregisseure kennen, mit dem man im besten Fall schon kleinere Filme macht. Zum anderen über die Erfahrung als Assistent. Keine Angst, mir wurde damals auch gesagt: Lass es, es hat keinen Sinn. Heute habe ich meinen Traumjob und immer genug zu tun.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben