Zeitung Heute : Wegen Geldmangel steigt das Brandenburgische Landesfunkhaus vorübergehend aus dem Gemeinschaftssender aus

Der ORB kündigt für 2001 den Ausstieg be

Hannelore Steer ist Hörfunkdirektorin des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg. Mit ihr sprach Joachim Huber über einen ORB-Ausstieg bei Inforadio.

Der ORB kündigt für 2001 den Ausstieg bei Inforadio an. Warum gefährdet Ihr Sender willentlich das Programm von ORB und SFB?

Willentlich ist wirklich der falsche Ausdruck. Wir ziehen uns aus Inforadio zeitweilig zurück, und zwar wirklich aus rein finanziellen Zwängen. Dazu kommt, dass das nicht überraschend geschieht, sondern seit dem Sommer haben wir sowohl in Geprächen mit der Geschäftsleitung des SFB als auch öffentlich mit Journalisten und natürlich vor Mitarbeitern immer klar über die Wirtschaftslage des ORB informiert. Bei dieser Gelegenheit haben wir stets hingewiesen auf die Konsequenzen, die sich daraus für uns Programm-Möglichkeiten ergeben. Dabei haben wir stets gesagt, dass eine Beteiligung an Inforadio nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sein wird, zumal wir keinen Finanzausgleich wie der SFB erhalten.

Intendant Hansjürgen Rosenbauer hat wieder und wieder darüber geklagt, dass Inforadio zu sehr auf Berlin und die Hauptstadt zentriert sei. Wie auch aber anders, in Brandenburg ist eben sehr viel weniger los.

Das ist schon richtig. Der Markt in Berlin für eine Infowelle ist naturgemäß größer als in Berlin. Das zeigen auch die Hörerzahlen. Dazu kommt, dass sich Inforadio in den letzten zwei bis zweieinhalb Jahren stärker zum Metropolenradio entwickelt hat, besonders seit dem Regierungsumzug.

Wenn man aus Brandenburger Sicht und verantwortungsvoll mit Brandenburger Gebühren handeln muss, dann taucht doch schnell die Frage auf, auf was ist für Brandenburg am ehesten zu verzichten? Ist es ein Inforadio oder ist es die Brandenburger Landeswelle oder ist ein Kultur- oder ein Jugendradio, zumal diese Programme auch nicht informationslos sind.

Diese Entscheidung fällt uns sehr schwer. Wir würden Inforadio gerne weiter mittragen, aber vom Wunsch allein lässt sich Radio nicht finanzieren. Ich hoffe, dass wir ab 2003 bei Inforadio wieder einsteigen können.

Ein Verdacht drängt sich auf: ORB-Radio denkt lieber an die Populärwelle Antenne Brandenburg als an das Spartenprogramm Inforadio.

Welche Anstalt verzichtet auf ihre Landeswelle? Antenne als Landeswelle ist die einzige Welle, die der ORB allein verantwortet und betreibt so wie der SFB sein Stadtradio 88 8 veranstaltet. Außerdem unterstreicht die Akzeptanz von Antenne Brandenburg die Bedeutung eines regional ausgerichteten Informations- un Unterhaltungsprogramms für das Flächenland Brandenburg.

Inforadio ist Teil eines sehr umfangreichen Kooperationsgeflechts zwischen der Potsdamer und der Berliner ARD-Anstalt. Diese Kooperation ist vom ORB vorsorglich zum 31. Dezember 2000 gekündigt worden. Was bedeutet das: das Ende aller Zusammenarbeit oder der starke ORB-Wunsch, mit allerhand Druck zu einem neu zugeschnittenen Kooperations-Tableau zu kommen?

Die Kündigung ist uns nicht leicht gefallen. Sie bedeutet nicht das Ende der Zusammenarbeit. Andererseits ist eine Tatsache, dass die Kündigungsfrist auf ein Jahr festgelegt ist. Das Angebot des SFB zur Kürzung dieser Frist um drei oder sechs Monate hätte aus unserer Sicht keinen Nutzen gebracht, sondern möglicherweise klare Entscheidungen weiter verzögert, vor allem, da wir nach den Gesprächsrunden mit dem SFB in den letzten Wochen zu keinem Konsens über die Modalitäten einer künftigen, fairen und berechenbaren Kooperation im Kulturbereich zusammen mit dem NDR, bei Fritz und bei Radio Eins gekommen sind. Wir sind bereit zur Kooperation.

Was halten sie von dem aktuellen Vorschlag von SFB-Intendant Horst Schättle, in einer neu vereinbarten Kooperation so genannte Mehrheits- und Minderheits-Beteiligungen zu fixieren? Ein Beispiel: Der ORB unterhält mehrheitlich Radio Eins und ist bei Inforadio mit einer Minderheits-Beteiligung engagiert.

Dieses Modell entspricht einer verstärkten Federführung einer Anstalt bei dem einen oder anderen Programm. Alle Überlegungen müssen im Rahmen unserer realistischen Position, unserer finanziellen Möglichkeiten bewegen. Es muss Realismus herrschen, nicht Wunschdenken. Im übrigen wurde uns dieser Vorschlag noch nicht detailliert unterbreitet.

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