Zeitung Heute : Wehe, wenn „Wetten, dass . . .?“ nicht kommt

Der Tagesspiegel

Doch, es gibt sie, die Thomas-Gottschalk-Hasser. Die haben dann nichts Besseres in ihrem Leben vor, als beim Medienredakteur anzurufen und sich das „immerwährende Testbild“ zu wünschen, wenn in Berlin der Sender fürs ZDF ausfällt und die Thomas-Gottschalk-Fans vergeblich auf die Übertragung von „Wetten, dass …?“ warten. Den Gottschalk-Fan erkennt man an seiner Tapferkeit. Er wartet treu und brav vor dem Bildschirm auf seinen Star. Er zappt, für Sekunden nur, quer durchs Angebot - und er wird blass. Die Fernsehsender betonen wieder und wieder, wie unglaublich hart der Wettbewerb untereinander ist. Fernsehen sei das Konkurrenzmedium unter allen Medien . Wann immer diese Regel gelten mag, an den Abenden mit „Wetten, dass . . .?“ gilt die Ausnahme. Rings um die ZDF-Show wird Not gegen Elend gespielt (die x-te Wiederholung von „City Hall“ mit Al Pacino mal außen vor). Das Erste rollt auf der „Straße der Lieder“ durch das Tessin. Das Tessin liegt in der Schweiz, was die ARD überhaupt nicht daran hindert, Karel Gott, Roger Whittaker und Walter Scheel als wahre Eidgenossen zu verkaufen. Ansonsten werden Filme der B-und C- Kategorie und zu Recht verstaubte Unterhaltung versendet. Als ob eine Verabredung gilt: Wenn „Wetten, dass . . .?“ läuft, räumt die Konkurrenz das Feld. Und wo die Konkurrenz fehlt, da räumt das ZDF mit Traumquoten ab. Klar ist: Die Thomas-Gottschalk-Hasser sind weniger Thomas-Gottschalk-Hasser, als dass sie die damit einhergehende Konsequenz nicht aushalten: Gottschalk und „Wetten, dass . . . ?“ bedeuten Fernsehen ohne Alternative. Das macht bitter. Joachim Huber

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