Zeitung Heute : Weiberwirtschaft

Bei Micro Resist Technology in Berlin-Köpenick setzt man auf den Familienfaktor

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Im Innovationspark Wulheide gibt es regelmäßig etwas zu feiern: 2005 war es Platz eins im Wettbewerb „Familienfreundlichster Betrieb“ im Bezirk Treptow-Köpenick, den das Technologieunternehmen Micro Resist Technology für sich in Anspruch nehmen durfte. 2006 erhielt Inhaberin Gabi Grützner den Titel „Unternehmerin des Jahres“ des Großen Preises des Mittelstandes. Und in diesem Jahr wurde Wolfgang Clement persönlich aktiv und gratulierte dem Hersteller von Fotoresisten und Fotolacken zur „Top-Job“-Platzierung unter den 100 besten Arbeitgebern des Mittelstandes.

Garantin des Erfolges ist die umtriebige Geschäftsführerin Gabi Grützner, die das Unternehmen seit 14 Jahren leitet – und sich einen guten Teil der Zeit parallel um ihre Familie mit vier Kindern gekümmert hat. Damit so etwas überhaupt möglich ist, installierte man bei Micro Resist Technology flexible Arbeitszeitmodelle bis in die Führungsebene hinein. Auch Personalleiterin Ines Decker hat davon profitiert. Die 40-jährige Mutter ist seit zehn Jahren im Betrieb, die Kinderbetreuung konnte sie bisher ohne Probleme mit ihrem Berufsleben vereinbaren: „Hier braucht man keine Angst zu haben, wenn man aufgrund eines kranken Kindes mal nicht kommen kann“, freut sie sich. Denn bei solchen Problemen konnte sie immer auf Unterstützung durch ihr Unternehmen zählen. Mehrere Male ermöglichte ihr der Betrieb vorübergehende Phasen der Heimarbeit.

Überhaupt scheinen Frauen bei Micro Resist Technology gut aufgehoben zu sein. Über 60 Prozent der Belegschaft ist weiblich, unter den Chemielaboranten sind es sogar 100 Prozent. Frauen würden zwar nicht bevorzugt eingestellt, versichert Ines Decker. Im Arbeitsalltag würde sich allerdings doch erweisen, dass vor allem Mütter ihre Arbeit ideal einteilen, koordinieren und organisieren könnten. Die Unterstützung von Unternehmensseite spreche vor allem weibliche Bedürfnisse an. „Natürlich ist der Arbeitsalltag bei uns deshalb kein ,Wunschkonzert “, relativiert die Personalleiterin. Am Ende müssten alle Maßnahmen zu den Erfordernissen des Unternehmens passen.

Der familienfreundliche Betrieb handelt unbeirrt nach dem Motto, dass „nur zufriedene Mitarbeiter gute Arbeit leisten können“. Eine Maxime, von der natürlich nicht nur Mütter profitieren, sondern alle, die wichtige private Aufgaben mit ihrem Berufsleben vereinen müssen. Flexible Arbeitszeitregelungen helfen auch bei der Betreuung von Enkeln oder der Pflege älterer Angehöriger. Von Unternehmensseite werde „alles, was möglich ist“ getan, um Mitarbeiter zu unterstützen, sogar Fahrgeld- und Kitazuschüsse würden gewährt. Ob es den großzügigen Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit zu verdanken ist, ist schwer zu sagen, Micro Resist Technology fährt jedenfalls weiter auf Erfolgskurs: Der Fertigungsbereich wird demnächst ein weiteres Mal erweitert, das 38-köpfige Team soll um wenigstens zwei Laboranten und einen Azubi wachsen.

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