Zeitung Heute : Weiblich, jung sucht

Hans Monath

Der Bundestag berät über Familienpolitik. Was muss passieren, damit Deutschland kinder- und elternfreundlich wird?

War der Druck auf die Politik, bessere Bedingungen für Eltern und Kinder zu schaffen, je größer als heute? Er ist zumindest eine gute Voraussetzung dafür, dass es Familien in Deutschland bald etwas einfacher haben werden. Denn es gibt nicht den einen politischen Hebel, den man nur umlegen muss, damit Menschen Kinder in die Welt setzen und die Geburtenrate steigt. Fortschritte für Familien können Politik und Gesellschaft nur gemeinsam erreichen. Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Wohlfahrtsverbände sind auch bereit, ihren Beitrag zu leisten.

Die meisten jungen Menschen in Deutschland träumen davon, irgendwann Kinder zu haben. Junge Frauen, die gut ausgebildet sind und entsprechend auch im Beruf vorankommen wollen. Deshalb ist die schlechte Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kleinkinder in Westdeutschland (die Quote liegt unter drei Prozent) eine Hauptursache dafür, dass sich Frauen letztlich gegen Kinder entscheiden.

In Frankreich zum Beispiel ist es selbstverständlich, dass Kinder wenige Wochen nach ihrer Geburt in einen Hort kommen. Es gibt ein flächendeckendes Angebot dafür. Und keine Frau muss den – hier zu Lande oft gehörten – Vorwurf fürchten, sie sei eine „Rabenmutter“.

Das Kindertagesbetreuungsausbaugesetz (Tag), das am Donnerstag im Bundestag verhandelt wurde, soll nun Abhilfe schaffen. Allerdings sind für Krippen und Kindergärten die Kommunen zuständig, der Bund kann ihnen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Es gibt nach der Verfassung auch keine Finanzbeziehungen zwischen Bund und Kommunen. Die Bundesregierung verspricht aber, die Kommunen um 1,5 Milliarden Euro aus der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu entlasten, damit die damit Betreuungsplätze finanzieren. Union und FDP halten die Summe für zu niedrig oder warnen, der Bund dürfe den Kommunen keine Vorgaben machen. Unionsregierte Länder im Bundesrat blockieren. Die Kommunalverbände klagen: Das Geld kommt bei uns nicht an. Familienministerin Renate Schmidt (SPD), die kein Machtmittel in der Hand hält, setzt auf sanften Druck. „Eine Blockadehaltung gegen dieses Gesetz wird scheitern“, sagte sie im Bundestag. Die Politikerin prophezeit, dass der Druck der Eltern Kommunalpolitiker zum Handeln zwingen wird.

Eltern das Leben zu erleichtern verspricht inzwischen auch die Wirtschaft – zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten, Betriebskindergärten und faire Regelungen für den Krankheitsfall. Denn die Arbeitskraft gut ausgebildeter Frauen ist wertvoll, Familienfreundlichkeit gilt inzwischen als ein harter Standortfaktor.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar