Zeitung Heute : Weihnachtseinkäufe online: Schneller shoppen, früher glücklich

Stefan Genrich

Jeder achte Internet-Nutzer will Weihnachtsgeschenke online kaufen, das entspricht rund zwei Millionen Käufern. Erste Adressen sollten Preisvergleichsdienste für das Internet sein, zum Beispiel DealTime, der mit dem Solgan: "Schneller shoppen, früher glücklich!" durch die bunte Warenwelt führt. Mit dem Service sollen Surfer schnell die günstigsten Preise für Produkte ermitteln. DealTime kommt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft aus den Startlöchern.

Prinzipiell bieten Vergleichsdienste wie Angebot-info.de, preisauskunft.de oder vivendo.de alle das Gleiche: Internet-Nutzer können in Datenbanken stöbern, wenn Sie wissen wollen, welches Geschäft in Deutschland einen bestimmten Fernseher oder Computerdrucker am günstigsten verramscht. Einige Betreiber berücksichtigen ausschließlich Online-Shops, während etwa GuensTiger auch Angaben von Läden liefert, die noch nicht im Internet-Zeitalter angekommen sind. Das Hamburger Unternehmen bastelt seine Preishinweise aus User-Tipps sowie Recherchen der hauseigenen Redaktion. Ergänzt wird der Datenbestand durch Mitteilungen der Händler, denn "für die ist es ein geldwerter Vorteil, bei uns gelistet zu sein," sagt Geschäftsführer Torsten Schnoor. Bei DealTime schnüffeln bestimmte Programme, sogenannte Crawler, wie Spürhunde durch eine Auswahl von 700 Online-Shops, um die Tiefpreise zu finden. Surfer können die Ergebnisse für ein bestimmtes Produkt aus einer Datenbank abrufen.

Dieses Prinzip gefällt Christoph Berndt, Geschäftsführer des Metasuchmaschinen-Betreibers Metaspinner Media. Er ist Experte für die bei Preisvergleichsdiensten und Metasuchmaschinen verwendeten Crawler-Technik. Nach seiner Ansicht haben die Kombisysteme aus Crawler und Datenbank "riesige Vorteile gegenüber einer reinen Datenbank-Lösung", wie sie bei GuensTiger üblich ist: Durch das Zusammenspiel von Crawler und Datenbank lassen sich extrem viele Preistipps erfassen. An der Spitze einer DealTime-Auswertung steht jedoch stets ein Händler, der einen Kooperationsvertrag mit DealTime abgeschlossen hat. Das weckt Zweifel an der Unabhängigkeit, auch wenn die Geschäftsführerin für Europa, Elisabeth Schick, diese zu zerstreuen versucht: "Alle Händler werden kostenlos von uns aufgenommen," betont sie, "und alleine der Kunde entscheidet, bei wem er welches Produkt zu welchen Bedingungen erwerben möchte".

Bei GuensTiger existieren keine Sondervereinbarungen mit den Shops. Der Service finanziert sich ausschließlich durch Werbung. Im Spannungsfeld aus Abhängigkeit und flexiblen Kontakten spielt priceContrast.de eine Sonderrolle. Die Firma arbeitet ganz bewusst mit Händlern zusammen und funktioniert als eigener Online-Shop, der die Identität seiner angeschlossenen 400 Händler erst bei einem Abschluss offen legt. Für jedes gesuchte Produkt liefert die Website drei bei ihr notierte Tiefpreise. Interessenten haben natürlich keinen Anspruch darauf, dass sie die moderne Videokamera oder die formschöne Espressomaschine tatsächlich beim Direktvermittler finden, aber im Erfolgsfall können sie sogar per e-Mail feilschen. Die Händler gehen immer wieder darauf ein, weil sie ihre Lager räumen wollen.

Das Debattieren über Preise lohnt sich auch generell in Multimedia-Märkten, Kaufhäusern und Technikläden. Das zeigt eine kleine Stichprobe im Hamburger Ortsteil Billstedt. Dem Fernsehverkäufer im Media Markt genügt ein flüchtiger Blick auf den Computerausdruck, und nach Rücksprache mit seinem Abteilungsleiter bietet ein Grundig-Gerät für 2599 Mark statt der auf dem Schild stehenden 2899 Mark an. Bei Versuchen in anderen Geschäften stellt sich heraus, dass die meisten Händler vor allem bei teurer Unterhaltungselektronik mit sich reden lassen. Ähnliche Erfahrungen hat die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV) gemacht. In einer Untersuchung ermittelte sie, dass rund ein Drittel der Kunden im Bereich Fernsehen/Video/HiFi jeweils bis zu 17 Prozent an Preisnachlässen herausholt.

Die Stiftung Warentest empfiehlt, Preise im Internet zu vergleichen und die Ergebnisse beim Einkauf zu präsentieren. "Aber häufig findet man nur einen Teil der gesuchten Produkte," schränkt Falk Murko von der Zeitschrift "Test" zu große Erwartungen ein, "wer nach Möbeln, Haushaltsgeräten oder Kleidung forscht, hat dabei selten Erfolg". Murko warnt davor, sich nur auf einen Preisvergleichsdienst zu verlassen, da eine Einzelrecherche nicht unbedingt die besten Angebote bringe. Sein Tipp: Einfach DealTime, GuensTiger, Angebot-info nacheinander auswerten. "Und achten Sie trotz der modernen Technik auf Sonderangebote beim Händler um die Ecke" - die seien meistens nicht im Internet, hätten aber oft erstaunliche Schnäppchen auf Lager.

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