Zeitung Heute : Weihnachtsmärkte in Deutschland: Originelle Ideen sind gefragt

Informationen: Dresden-Werbung Tourismus GmbH

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind - und eröffnet den Weihnachtsmarkt in Nürnberg. Aber auch anderer weihnachtlicher Budenzauber muss auf prominenten Beistand nicht verzichten: Zumindest die lokalen Politiker geben sich zur Eröffnung gern die Ehre. Gebaut vor repräsentativen Kulissen, locken die Märkte Käufer in die Städte und machen klar, dass es bis zum Fest nur noch wenige Wochen sind und die Uhr bis zur Bescherung schon wieder unüberhörbar laut tickt.

Ob mit oder ohne himmlischem Segen, Weihnachtsmärkte fehlen in fast keiner Stadt. Doch welche sind einen Besuch wert? "Einige Weihnachtsmärkte bieten Besonderes", sagt Detlef Danitz, der für das Internet-Magazin Locality.de aus Hamburg die weihnachtliche Stimmung in verschiedenen Städten getestet hat. Nach seiner Erfahrung gibt es zwei Typen von Weihnachtsmärkten: auf der einen Seite die traditionellen Märkte mit ihren oft jahrhundertealten Bräuchen, auf der anderen Seite eher langweilige Budendörfer, die die ersten zu kopieren suchen.

"Weihnachtsmärkte mit originellen Ideen machen mir Spaß", sagt Danitz und gibt einige Beispiele: Bamberg zeigt den längsten Krippenweg der Welt, Bayreuth eine lebende Krippe. Leipzig und Forchheim in der Oberpfalz locken mit den weltgrößten Adventskalendern. In Forchheim wird das Rathaus verkleidet - jeden Tag öffnet der Weihnachtsmann ein neues Törchen. Nicht zu vergessen der berühmte Nürnberger Christkindlesmarkt oder der Striezelmarkt in Dresden. Dresden hat den ältesten Markt, die höchste Weihnachtspyramide und den längsten Christstollen.

Der Christstollen, auf sächsisch heißt er "Striezel", gab dem Dresdner Markt den Namen. Im Jahr 1434 erlaubte Kurfürst Friedrich II. seinen Untertanen, ein Mal in der Woche einen Markt abzuhalten. Am Tag vor Heilig Abend war ein zusätzlicher Markttag gestattet, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, noch einen Braten fürs Fest zu kaufen. Beim Fleisch allein blieb es nicht: Von 1471 an wurden auch Weißbrote, die Ur-Stollen, angeboten. Später kamen Handwerker hinzu und boten Geschenkartikel an.

Nur wenig jünger ist der Nürnberger Christkindlesmarkt. "Dieser Markt geht wahrscheinlich auf das Jahr 1500 zurück", sagt Erika Haid, Nürnbergerin und Autorin eines Buches über den Christkindlesmarkt. "Mit der Reformation kam die Sitte auf, den Kindern an Weihnachten Geschenke zu machen. So wandelte sich der traditionell am 21. Dezember stattfindende normale Markt allmählich zu einem Weihnachtsmarkt." Es folgten Zuckerbäcker und Kerzenzieher, Zinngießer und Puppenmacher. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es auch Christbaumschmuck und Glaskugeln.

Heute wachen die Städte mit Argusaugen über ihre traditionsreichen Märkte. "Neben den Bäckern sind bei uns nur Stände zugelassen, die traditionelle regionale Handwerke zeigen: zum Beispiel Holzkunst aus dem nahen Erzgebirge oder Töpferwaren aus der Lausitz", sagt Arndt Becker vom Marktamt der Stadt Dresden. Glasbläser aus Thüringen seien ebenfalls häufig. Man orientiert sich am lange Bewährten: Computerspiele oder Achterbahnen passen nicht ins Bild.

Doch nicht jeder, der passende Waren im Angebot hat, bekommt auch einen Stand: "Die Zahl der Bewerber übersteigt jedes Jahr die Kapazität des Marktplatzes", so Becker. Von 400 Bewerbern erhielten nur 230 eine Genehmigung. Die Kandidaten müssen ein Konzept vorlegen und die Stände von einer Kommission bewerten lassen.

In Nürnberg ist es ähnlich: Alle Buden müssen dort gleich aussehen, damit der ganze Markt wie aus einem Guss erscheint. Um die Schönheit des Marktes auch noch in der letzten Woche vor dem Fest zu sichern, gehen Kontrolleure um. Strafen gibt es keine, dafür wird der schönste Marktstand prämiert. Erika Haid hat sich auch lange um einen Stand bemüht. Erst nach zwölf Jahren bekam sie Gelegenheit, ihre selbst gebauten Miniatur-Marktstände auf dem Marktplatz anzubieten.

Die Mehrheit der Stände gehören jedoch professionellen Schaustellern, die das ganze Jahr von einem Jahrmarkt zum nächsten reisen. Hinzu kommen Nürnberger Betriebe, die dort zur Weihnachtszeit eine Zweigstelle eröffneten. "Ein Stand auf dem Christkindlesmarkt ist ein gutes Geschäft", sagt Erika Haid. "Doch es ist nicht so, wie viele vermuten, dass man in vier Wochen das Geld für ein ganzes Jahr verdient."

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