Zeitung Heute : Weine des Monats: Edles fürs Fest aus Spanien, Portugal und Deutschland

Bernd Matthies

Wie wäre es mit einem iberisch bestückten Wein-achtsfest? (Entschuldigung.) Im Ernst: Dass man in Spanien und Portugal Weine produziert, die sich jedem internationalen Vergleich stellen könne, ist bekannt. Aber welche sind es? Und gilt das auch für Weißweine? Es gilt jedenfalls für die Weißen aus der Albariño-Rebe, die in der galizischen Region Rias Baixas angebaut werden. Im Wort Albariño stecken die Begriffe weiß und Rhein, und es ist viel darüber spekuliert worden, ob wir es hier mit einer Riesling-Variante zu tun haben - die meist rassige Säure und die üppigen Fruchtnoten - Birne, Pfirsich, Zitrus, Exoten - sprechen dafür, doch neue Genanalysen haben diese Theorie nicht bestätigt. Wie auch immer: Einer der gegenwärtig besten, komplexesten Albariños ist zweifellos der 1999er Pazo de Señorans, der vom gleichnamigen 10-Hektar-Weingut in der nördlichen Unterzone Val do Salnés kommt. Dort regnet es wie in Hamburg, die Sonne strahlt ebenfalls nicht sehr üppig, und so müssen die Winzer im Sommer mehrmals entblättern, um die optimale Reife zu erreichen. Die Mühe lohnt, denn dieser subtil-elegante, leicht exotisch anmutende Wein hat alles, was die Rebsorte so attraktiv erscheinen lässt - Riesling-Fans werden ihn lieben. Er passt perfekt beispielsweise zu Hummer, Geflügelpasteten oder Fischgerichten mit hellen, nicht zu süßen Saucen. Der Preis spiegelt den hohen Arbeitsaufwand, geringen Ertrag (und die starke Nachfrage). Zu haben ist er für 28 Mark in der Enoteca Blanck & Weber in der Ludwigkirchstraße 11 in Wilmersdorf sowie für 26,90 Mark bei La Bodega in der Bergmannstraße 13 in Kreuzberg. Ein wichtiger Unterschied zum Riesling sollte beachtet werden: Albariños halten nicht länger als zwei Jahre.

Zum Großen Weihnachtsbraten - Gans oder Rehrücken - muss ein anderes Kaliber her. Rot. Aus Spanien. Aus der Region Yecla. Wo das schon wieder ist? Es handelt sich um eines der vielen kleinen Anbaugebiete im mittleren Osten des Landes südlich von Valencia. Der Qualitätsweinbau begann dort in den 70er Jahren nach der Rückkehr Spaniens zur Demokratie, und die Bodegas Castaño waren von Anfang an in der Pionierrolle. 300 Hektar Rebfläche machen es dem Familienunternehmen leicht, pro Jahr zehn oder mehr verschiedene Weine auf die Flaschen zu bringen. Dabei dominiert die einheimische, lange vernachlässigte Rebsorte Monastrell, die dem Flaggschiff der Bodegas, der 1998er Collección Struktur, Körper und die tiefrote Farbe gibt; 20 Prozent Cabernet Sauvignon und Merlot geben ein wenig Duft und Schmeichel hinzu, und die mit Bedacht eingesetzte amerikanische Eiche liefert subtile Holztöne - ein ebenso eigenständiger wie weltläufiger Spanier, der große Braten ideal begleitet. Die Flasche kostet 26,50 DM in den fünf Filialen von Weinladen Schmidt: Sonnenallee 102 in Neukölln, Curtiusstraße 9 in Lichterfelde, Oranienburger Straße 107 in Wittenau, Katzbachstraße 21 in Kreuzberg und Reichsstraße 6 in Charlottenburg.

Sind zum Fest größere Runden beisammen, kommt automatisch der Gedanke an eine Flasche Vintage Port auf. Die macht man für zwei allein nur ungern auf, denn beide müssten schon sehr versoffen sein, um sie zusammen zu leeren, zumal nach einem ausladenden Essen - und stehenbleiben sollte ein feiner, teurer Luxus-Port auf keinen Fall, weil er anders als die meist ohnehin oxidierten Einfach-Ports offen schnell an Qualität verliert. Vintage: Das steht für reichhaltige, konzentrierte, tanninreiche Portweine aus einem einzigen, qualitativ besonders hoch stehenden Jahrgang. Zwei Jahre nach der Lese werden sie abgefüllt und benötigen im allgemeinen mehr als ein Jahrzehnt bis zur Trinkreife. Das Verblüffende an unserem Wein, dem Pousada Port Vintage 1997 aus dem mittelständischen Haus Manoel D.Pocas, ist dagegen, dass er schon jetzt großen Trinkgenuss bietet, also nicht für den Keller gekauft werden muss, andererseits aber ein durchaus großes Alterungspotenzial mitbringt; möglicherweise liegt es am relativ kühlen Jahr. Gegenwärtig dominieren noch die Aromen von roten Beeren und Veilchen im üppig ausladenden Bukett. Die Flasche kostet 79 Mark bei den Händlern des Berliner Verbunds: Wein- und Spirituosencenter, Brunowstr.17, Tegel; Weine Whisky Sekt, Weitlingstr.17, Lichtenberg; Internationale Spirituosen & Weine, Martin-Luther-Str. 34, Schöneberg; Weine & Spezialitäten, Hohenzollerndamm 143, Wilmersdorf. Dringende Empfehlung: dazu einen Stilton essen. Wer den Wein allerdings, wie man gelegentlich liest, in den ausgehöhlten Käse kippt, wird mit Portwein-Entzug nicht unter zwei Jahren bestraft.

Und nun noch kein Champagner. Sondern ein Getränk, das all jene erfreuen wird, die keinen Alkohol trinken, aber trotzdem Spaß an Qualität haben und auf einen animierenden Aperitif nicht verzichten wollen. Für sie (und alle anderen) machen die bekannten Kochbuchautoren Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer auf ihrem Apfelgut im Nordschwarzwald mit hohem Aufwand einen prickelnden, sortenreinen Apfelsaft mit Kohlensäure: Duttenhofer Pomme Pure. Die handgepflückten Früchte werden sofort nach der Ernte auf 2 Grad heruntergekühlt, um jegliche Oxidation oder Fäulnis auszuschließen, und sofort gepresst. Der frische Most wird dann in einer Sekterei mit Kohlensäure versetzt und ohne jegliche Erwärmung kaltsteril auf Flaschen gefüllt. Das Ergebnis ist ein herrlich frisches Fruchtaroma ohne jeden störenden Fremdton, getragen von runder Süße - wie ein Biss in einen prallen Apfel. Der Aufwand schlägt sich in einem deftigen Preis nieder, der es geboten scheinen lässt, nicht gerade den Kindergeburtstag damit auszustatten: 13 Mark kostet die Flasche der Sorte Jonagold in Friedel Drautzburgs Weinbotschaft in der Reinhardtstraße 37 in Mitte, 12 Mark 50 bei Blumen-Koch (doch!) in der Westfälischen Straße 38 in Wilmersdorf, wo es auch noch viele andere der vorzüglichen Produkte von Duttenhofers Gut Neunthausen gibt, Marmeladen, auch Apfelwein und Apfel-Schaumwein nach Champagner-Methode. 13 Mark sind viel Geld - doch dafür gibt es einen Saft auf dem handwerklichen Niveau eines guten Champagners. Nur eben ohne Alkohol.

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