WEINE DES MONATS : WEINE DES MONATS

RHEINHESSEN

Paradejahr für Weißburgunder

Das Urteil über den Weinjahrgang 2009 in Deutschland stand schon nach der Ernte fest: Dürfte groß werden. Wenig Ertrag wegen schlechten Wetters während der Blüte, deshalb kleine, lockerbeerige Trauben – und ein nahezu perfekter Herbst. Doch ganz ohne Können des Winzers ging es trotzdem nicht, und solche Könner dürfen wir in Karl und Johannes Geil-Bierschenk vermuten, deren rheinhessisches Gut Ökonomierat Geil Erben schon seit einigen Jahren auf Erfolgskurs liegt und auch in problematischen Jahren mit ausgezeichneten Weinen auffällt. Ihr 2009er Weißburgunder ist eine Cuvée aus unterschiedlichen Weinbergslagen, die notwendig geworden war, weil die Erntemengen für Einzellagenausbau zu klein waren. So kommen in diesem Wein Frucht und Cremigkeit von den warmen Lößböden oberhalb der Rheinebene zusammen mit der Kraft und Mineralität der kalkhaltigen Tonböden weiter oben. Er verbreitet reine Trinkfreude auch durch seine florale Duftigkeit, die durch rebtypische Aromen – Birne, Brioche – ergänzt wird, saftig, würzig, klar bis ins lange Finish. Die Flasche kostet 6,50 Euro im Weinhaus Obermeyer in der Hundekehlestraße 11 in Schmargendorf.

PFALZ

Weißwein aus roten Trauben

Trotz des guten Jahrs 2009 sind die Weine des Vorjahres längst nicht passé. Das galt als mittelprächtig, erbrachte aber eine Fülle kerniger, schlanker Zechweine, die man angesichts des Klimatrends aus Deutschland kaum noch erwartetet hatte – ebenfalls gut für die Burgundersorten, die bei zu viel Hitze gern breit und säurearm ausfallen. Unser 2008er Schweigener Sonnenberg Blanc de Noir von Bernd und Christine Grimm stammt von Weinbergen, die zum Teil nicht mehr in der Pfalz, sondern schon im Elsass liegen, eine weinrechtliche Besonderheit, die mit der wechselvollen Geschichte der Pfalz zusammenhängt. Der rote Spätburgunder wurde durch sofortige Trennung des Mostes von den Beerenhäuten weiß gekeltert, nur ein ferner lachsrosa Hauch ist zurückgeblieben. Der Wein duftet opulent nach reifen Waldbeeren und einem Hauch Räucherspeck, und er wirkt keineswegs schmal, sondern macht durch saftig-füllige Art auf seine Elsässer Herkunft aufmerksam, elegant und finessenreich. Die Flasche kostet 9,90 Euro bei Jesierski am Refomationsplatz 13 in Spandau und bei Pasta Divina in der Kollwitzstr.88 in Prenzlauer Berg. Bernd Matthies

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