WEINE DES MONATS : WEINE DES MONATS

MAREMMA

Sangiovese mit speziellem Akzent

Winzerinnen spielen in Italien eine immer größere Rolle. Elena Walch oder Elisabetta Foradori bringen alljährlich Spitzenleistungen, Weine, die zum Besten der jeweiligen Region gehören. Zu ihnen muss man auch Elisabetta Geppetti zählen, die 1985 ein winziges Weingut in der südlichen Toskana, der Maremma, übernommen hat, die Fattoria Le Pupille. Die Gegend war bekannt für den roten Morellino di Scansano, wurde später berühmt durch die dort lancierten „Super-Toskaner" wie Sassicaia und Ornellaia. Elisabetta Geppetti übernahm damals zwei Hektar, heute bewirtschaftet sie mit Hilfe der Önologen Christian Le Sommer und Sergio Bucci 65 Hektar bester Lagen, überwiegend Sangiovese, aber auch Alicante, Cabernet, Merlot und Syrah. Ihr berühmter „Saffredi“ war der erste toskanische Wein, der keine Sangiovese enthielt; dennoch produziert sie auch traditionellen Morellino und wagt Brückenschläge zur behutsamen Weiterentwicklung dieses Stils, wie der 2010 Pelofino Rosso auf eindrucksvolle Weise zeigt. Er besteht überwiegend aus der traditionellen Sangiovese, enthält aber zur Abrundung etwas Cabernet und Syrah – nicht, um einen „internationalen“ Wein zu produzieren, sondern die Eigenheiten der Region noch besser in den Vordergrund zu stellen. Der Pelofino erfreut mit ausladender Beerenfrucht, Duft von Schwarzkirschen und Kräuterwürze, ist am Gaumen reif und saftig mit weichen, klar definierten Tanninen – ein Solist, der aber auch viele Fleischgerichte souverän begleiten dürfte. Die Flasche kostet 11,50 Euro beim Weinhaus Obermeyer in der Hundekehlestr.11 in Schmargendorf.

CORBIÈRES

Reifer mediterraner Rotwein

Das Bild des französischen Weinbaus im deutschen Handel hat sich komplett gewandelt. Bordeaux und Burgund spielen wegen der total überzogenen Preise eine immer kleinere Rolle – aber die Lücke wird von den Winzern im Süden des Landes souverän gefüllt. Die Winzer im Languedoc-Roussillon und Rhonetal haben sich auf die anspruchsvolle Kundschaft längst eingestellt und erzeugen in den zahllosen Appellationen immer neue, vor allem rote Weine, die den eigenen Charakter der dort traditionell vorhandenen Rebsorten mit modernem Handwerk herausstreichen. Eine dieser Appellationen ist Corbières am Fuße der Pyrenäen, wo Henri Gualco mit seinem Sohn Christophe das Chateau Etang des Colombes betreibt. Im mediterranen Klima gedeihen auf kalkhaltigen Kiesböden sehr alte Rebstöcke, zum Beispiel von den Sorten Grenache noir, Carignan und Mourvèdre. Diese drei ergeben auch den 2008 Bicentenaire Vieilles Vignes, einen purpurroten, üppigen Wein, der sofort anheimelnde Herbststimmung verbreitet und in der Nase an Brombeeren, Pflaumen und Brot erinnert. Am Gaumen kommt eine einnehmende Kräuterwürze hinzu; die dezenten Holznoten sind durch die Reifejahre bereits bestens integriert, die Tannine setzen einen angenehm kräftigen Akzent. Schmelz, Struktur, Frucht stehen in bester Balance. Wer die Größe hat, ihn liegenzulassen, wird auch in einigen Jahren Freude daran haben – perfekt trinkreif ist er schon jetzt. Die Flasche ist für bescheidene 7,95 Euro in den fünf Filialen des Weinladens Schmidt, www. Weinladen.com, zu haben. Bernd Matthies

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