Zeitung Heute : WEINE DES MONATS

Peter Scheib

TOSKANA

Ein weicher Sangiovese vom Ex-Filmproduzenten

Winzernde Prominente gibt es nicht erst seit Gerard Depardieu oder Francis Ford Coppola. Italo Zingarelli, in jungen Jahren Boxer, Stuntman und Filmproduzent, hat sich schon 1973 im Herzen des Chianti-Classico-Gebiets, in Castellina di Chianti, mit einem Weingut selbstständig gemacht; er produziert dort unter der Marke Rocca della Macie längst international anerkannte Qualität. Doch auch in der südtoskanischen Maremma, deren mildes, maritim beeinflusstes Klima auf einst vom Meer überschwemmten Böden ideale Bedingungen bietet, besitzt er seit einiger Zeit zusammen mit seinem Sohn Sergio „Campomaccione“, ein imposantes Gut mit 35-Hektar Rebfläche. Nachbarn sind berühmte Weinmacher wie Gaja oder Antinori, die das Potenzial der Gegend ebenfalls längst erkannt haben – sie produzieren dort Spitzenweine zu Spitzenpreisen für den internationalen Markt.

Erschwinglicher sind Weine unter der Ursprungsbezeichnung „Morellino di Scansano“, wie sie Zingarelli macht: Sie stammen überwiegend aus der regionaltypischen roten Sangiovese-Traube, dürfen aber zur Abrundung mit etwas Cabernet und Merlot veredelt werden. Dies gilt auch für unseren 2003 Morellino di Scansano „Campomaccione“, der den Charakter dieser Trauben ganz ohne Holzeinfluss zeigt. Er ist schon jetzt angenehm weich und trinkreif, dürfte aber seine schöne Frucht – rote Johannisbeeren, Himbeeren, Sauerkirschen – und seine angenehme Würze noch längere Zeit bewahren. Er ist in allen Filialen von Getränke-Hoffmann zum sehr moderaten Preis von 6,99 Euro zu haben.

TESSIN

Konzentrierter Schweizer Merlot

auf Pomerol-Kurs

Schweizer Weine kommen auf dem deutschen Markt nicht aus ihrem Schattendasein heraus, obwohl ihre hohe Qualität längst unbestritten ist, und das bei durchweg vernünftigen Preisen. Das Tessin ist vor allem eine Hochburg des Merlot: Starwinzer wie Christian Zündel oder Barbara von der Crone haben dort in den letzten Jahren Weine produziert, die in Blindverkostungen sogar x-fach teurere Monumente wie den Petrus schlagen konnten. Auch Angelo Delea orientiert sich an den großen Merlots aus Pomerol, seit er 1983 damit begann. in Losone in der Nähe des Lago Maggiore auf einer Rebfläche von rund 20 Hektar Wein zu produzieren. Kleine Holzfässer, in der Regel neue Barriques aus französischer Allier- und Nevers-Eiche, sind deshalb für ihn die unerlässliche Grundlage des Ausbaus. Für Dichte und Intensität stehen die Reben, die zum Teil schon 30 Jahre alt sind und deshalb wenig Ertrag, aber viel Extrakt bringen.

So entstand ein großer Wein wie der 2001er Carato Merlot del Ticino , der die Holztöne des Barrique-Ausbaus bereits perfekt integriert zeigt und mit Aromen von Vanille, Nelken und Zimt und fruchtigen Düften nach Trockenpflaumen und schwarzen Beeren sofort gefangen nimmt. Trotz aller Dichte und Länge ist er elegant und harmonisch, erinnert also keineswegs an die modischen Marmeladenweine, wie sie häufig in Italien produziert werden – auch ein Vorteil der Insellage der Schweiz. Die Flasche kostet angemessene 20,95 Euro bei Bottega del Vino in der Friedrichshaller Straße 20 in Schmargendorf und in Biggis Stübchen am Hindenburgdamm 58 (Ecke Haydnstraße) in Lichterfelde.

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