Zeitung Heute : WEINE DES MONATS

Peter Scheib

BULGARIEN

Cabernet-Merlot vom Rand des Schwarzen Meer s

Die Geschichte dieses Weins beginnt in Berlin. 1990 ärgerte sich der gebürtige Bulgare Dr. Ivo Genowski wieder einmal über die bescheidene Qualität der Weine seiner Heimat. Doch statt zu resignieren, packte er die Koffer – und machte seine Weinleidenschaft zum Beruf. Ein Produkt mit Kultstatus sollte entstehen, der Name Zar Simeon war rasch gefunden, und Genowski begann Mitte der Neunziger Jahre damit, in Nova Zagora, einem Städtchen in der Mitte Südbulgariens, Wein aus Cabernet-Sauvignon- und Merlot-Reben zu vinifizieren. Die Terra-Rossa-Böden in der Nähe des Schwarzen Meers erwiesen sich als gut geeignet für diese typische Bordeaux- Kombination, und der Jahrgang 2000 wurde wegen eines trockenen, warmen Herbstes zu einem besonderen Glücksfall. Dieser wirklich aristokratische Zar besticht durch seine reifen Waldbeeren- und Cassis-Aromen, sanftes Tannin und noble Kaffee- und Schokonoten im Finale. Bordeaux ist nicht weit, was den Stil dieses Weins angeht, allerdings dürfte es schwer sein, einen auch nur halb so guten Bordeaux für diesen Preis zu finden: Die Flasche kostet 9,98 Euro im KaDeWe .

JEREZ

Ein großartiger Wein nicht nur für Miss Sophie

Sherry – das ist selbst für kundige Weinfreunde oft nur das, was Miss Sophie zur Mulligatawny trinkt. Warum sollte man es ihr aber nachmachen? Sherry mit seinen typischen oxidativen Noten ist der große Unbekannte der europäischen Weinkultur geblieben, daran hat selbst der Boom der Tapas-Bars kaum etwas geändert. Dabei begleitet kaum ein Wein die vielfältigen Häppchen der spanischen Küche besser, kaum einer passt so gut einfach zu Salzmandeln oder sogar Lebkuchen. Und abgesehen von solchen Kombinationen sind die besten Sherrys eben auch solo großartige Weine. Hier ist einer: Der Bertola Amontillado 12 anos , eines der besten Produkte der Bodega Paternina Division in Jerez. Amontillado - das ist die Reifestufe, die entsteht, wenn die schützende Florhefe oben auf dem jungen Fino-Sherry abstirbt, auf den Fassboden sinkt und den Luftsauerstoff an die Oberfläche heranlässt. Dieser trockene, zwölf Jahre gereifte, bernsteingoldene Wein zeigt die charakteristischen Nuss- und Mandelnoten, erinnert an Vanille und getrocknete Früchte – und er verabschiedet sich mit dem typischen sanften Salzhauch von der Zunge. Die Flasche kostet 12,80 Euro im Weinkontor Steglitz in der Deitmerstraße 9.

WEIN ZUM LESEN

Gut gezielte Provokationen

„Beim Wein gibt es keine Relation zwischen Preis und Qualität“– eine der gut gezielten Provokationen, mit denen Stuart Pigott die Weinszene aufmischt. Zum Beleg hat er das Büchlein mit dem bescheidenen Titel Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer geschrieben, dessen Ausgabe 2006 jetzt vorliegt: Keine Faktenlawinen, keine pseudoobjektiven Punktewertungen, sondern Bekenntnisse zur radikalen Subjektivität des Weingenusses: „Dom Perignon ist Geschmackslotto für Reiche und Angeber“. Die Symbolbömbchen, mit denen er über missratene Luxusweine herfällt, sind etwas dezenter verteilt als in der ersten Ausgabe, dafür gibt es Bezugsquellen, und das Werk passt dennoch in fast jede Jackentasche. (Scherz, 9,90 Euro). bm

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