Zeitung Heute : WEINE DES MONATS

Bernd Matthies

NAHE/SÜDAFRIKA

Zwei herausragende Weißweine

mit Schraubverschluss

Schraubverschluss: Immer noch ein Tabu! Der Käufer profitiert davon, hat keine Ausfälle durch Korkschmecker mehr, muss sich nicht an klemmenden Korken abarbeiten. Vor allem Sommeliers finden das profane Aufdrehen immer noch würdelos; es setzt sich trotzdem durch. Hier zwei hervorragende Beispiele: Martin Tesch , der mutige Querdenker von der Nahe, hat sich schon mit seinem Riesling „Unplugged" zwischen alle Stühle gesetzt; mit dem Jahrgang 2005 nimmt er nun ganz Abschied vom Korken. Verblüffender Erfolg: Für das Ausstattungskonzept seiner Weine erhält er in diesem Jahr den renommierten Designpreis „Red Dot Award".

Doch auch der Inhalt ist vorzüglich. Fünf durchgegorene Lagenrieslinge macht er in jedem Jahr, Weine, die in subtiler Weise die Unterschiede von Boden und Kleinklima widerspiegeln und kein Detail mit Süße überdecken; wir haben diesmal den St. Remigiusberg ausgewählt, eine trockene Riesling Spätlese von vulkanischem Boden, die 2005 all ihre Stärken ausspielen kann. Facettenreich, elegant, mineralisch, von vielschichtig funkelnder Frucht. „Tanzt auf dem Vulkan!“ schwärmt Stuart Pigott und stuft ihn in die Eliteklasse des deutschen Weins ein. Der Preis spiegelt das nicht: Die Flasche gibt es für 11 Euro bei Wein & Malt in der Mommsenstraße 32 in Charlottenburg, für 11,50 Euro bei Hardy in der Thielallee 29 in Dahlem und für 12,10 Euro bei Weinstein in der Lychener Straße 33 in Prenzlauer Berg. Der Schraubverschluss sieht auf den ersten Blick rätselhaft glatt aus: Nicht dran herumfummeln, einfach aufdrehen!

Sauvignon blanc gibt es für jeden Geschmack. Karg und mineralisch von der Loire, überbordend aromatisch aus Neuseeland oder komplex holzbetont aus der Steiermark. Das wäre die positive Version. Die negative lautet: Die Loire-Sauvignons sind zu streng, die Neuseeländer zu parfümiert und die Österreicher vom Holz erdrückt. Geschmackssache. Aber selten hat mich ein Sauvignon blanc so fasziniert wie der ohne jeden Holzkontakt ausgebaute 2005er aus der Private Collection von Spier , Western Cape, Südafrika. Da ist die typische Nase von Cassis, grünem Paprika und grünem Pfeffer, nicht aufdringlich, sondern transparent, präzise fokussiert, da ist abgründige Mineralik und eine animierende Säurebalance, die automatisch den Wunsch nach dem nächsten Glas aufkommen lässt. Letztes, keineswegs geringstes Argument: Der dezente Alkohol, 12,5 Prozent, macht ihn zum Allrounder am Tisch, passend zu weißem Geflügel, Fisch, Krustentieren, Frischkäse . . . Spier wurde erst 1999 von einem Milliardär mit Weinneigung gegründet, der sich erfreulicherweise nicht auf die Erzeugung unbezahlbarer Kultweine kapriziert – ein Riese inzwischen, aber einer, dem es keine Mühe macht, in den großen internationalen Wettbewerben immer wieder wichtige Auszeichnungen abzuräumen. Die „Private Collection" steht für auf die Spitze getriebene Selektion, die bei derart großen Ländereien natürlich kein Problem ist – aber auch die Basisweine von Spier sind jeden Euro wert. Es gibt sie in Rindchens Weinkontor am Lerschpfad 4 in Charlottenburg, den Private-Sauvignon in einer kleinen, für Berlin reservierten Partie. Die Flasche kostet 14,95 €.

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