Zeitung Heute : Weine für Kenner, Nudeln für alle

Neue Standardwerke buhlen in allen Preisklassen um Leser

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Ziegelsteinschwer liegt er auf dem Tisch, „ein Standardwerk“ jubelt der Pressetext - und hat natürlich völlig Recht. Denn der Weinatlas von Hugh Johnson und Jancis Robinson ist ganz sicher das Weinbuch, das man haben sollte, wenn man nur eins hat. Sofern man etwas Vorkenntnis hat. Denn das Buch wendet sich trotz überbordender Informationsfülle nicht wirklich an Anfänger: Auf Seite 23 stecken wir bereits tief im Bodenprofil von St.Julien, und die Tipps zum Servieren und Lagern, der Rebsortenüberblick und andere Basisinformationen sind äußerst knapp gehalten. Weiter gibt es Karten und dazu passende gründliche Übersichtstexte. Die großen Lagen sind übersichtlich dargestellt, und den Texten merkt man die Sorgfalt an, mit der sie aktualisiert wurden. Auf Bewertungen wurde ganz verzichtet - dies ist kein Buch, das jährlich aktualisert werden könnte. Viele Etiketten geben allerdings zuverlässige Hinweise auf die wichtigen Erzeuger der jeweiligen Region. (Johnson/Robinson: Wein. Der Weinatlas. Hallwag, 352 S., 69,90 €).

Auch zur Nudel gibt es ein neues großes Werk, einen Folianten aus der Teubner-Edition, der die Teigware so erschöpfend behandelt, dass man sagen könnte: Was in Das große Buch der Teigwaren nicht steht, ist auch nicht wert, gewusst zu werden. Acht verschiedene Rezepte für den Grundteig, dazu die gefärbten Varianten und unzählige aromatisierte und gekräuterte Sorten – das ist nur der Anfang. Und dann geht es mit Gnocchi und Knödeln und... nochmal von vorn los. Schließlich führen viele feine Rezepte die losen Enden zusammen und verdeutlichen, wofür die lexikalische Warenkunde gut ist – einfach hervorragend zu essen. (Das große Buch der Teigwaren, Teubner Edition bei Gräfe & Unzer, 238 S., 69 €).

Ebenfalls von Teubner, aber deutlich günstiger ist Das große Teubner Backbuch zu haben. Backbücher freilich gibt es viele, viel gute auch, und so scheint die Anschaffung nicht gar so dringlich. Wer allerdings sein letztes vor zehn Jahren gekauft hat oder noch gar keins hat, sollte den Kauf erwägen, denn Rezepte und Methoden ändern sich auch beim Backen, wenn auch nicht so flink wie beim Kochen. Und manchmal freut man sich ja auch einfach über die Fortschritte der Druck- und Fototechnik. (Teubner, 320 S., 25 €.) Ähnliches gilt für Das Kochbuch, ein gut gemachtes Grundkochbuch für Einsteiger (Gräfe & Unzer, 240 S., 14,90 €).

Die demonstrative Bescheidenheit solcher Vorbilder ist nicht die Sache von Jamie Oliver, dem britischen Kultkoch. Genial kochen mit Jamie Oliver heißt die deutsche Ausgabe seines Supersellers „The naked chef“. Nackt kocht er zwar nicht, aber er beherrscht die Kunst, Rezepte auf ihren Kern zu reduzieren und so auch Amateure zu erreichen, die sich nie mit den typischen ellenlangen Zutatenlisten der Top-Köche herumschlagen würden. Dennoch ist das Buch ideenreich konzipiert, ja, es hat sogar einen kleinen Teil für Kinder. Sehr empfehlenswert. (Verlag Dorling Kindersley, 24,90 €). bm

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