WEINE DES MONATS : WEINE DES MONATS

NEUSEELAND

Preisgünstiger Sauvignon blanc aus Marlborough

Das Schöne am Sauvignon blanc ist: Jeder Winzer kann sich was Eigenes draus basteln. Deshalb stehen sich die Anhänger zweier Lager meist unversöhnlich gegenüber: Die einen lieben die Rebsorte klassisch wie im Sancerre oder Pouilly fumé, also schlank, knochentrocken, bodenbetont, nach Stachelbeeren und Nesseln duftend. Die anderen lieben den modernen Übersee-Typus, voluminös, üppig, an tropische Früchte wie Maracuja erinnernd. Und dann gibt es auch noch die Österreicher, die sich in der goldenen Mitte halten; ihr lange typischer stark vom Holz geprägter Sauvignon, ein dritter Typ, scheint am Verschwinden zu sein scheint.

Unser 2010 Heart of Stone von Forrest Estate allerdings verkörpert das Übersee-Modell, kein Wunder, kommt er doch aus der Region Marlborough in Neuseeland, wo diese Art praktisch erfunden wurde - der Weinbau an dieser Stelle der kühleren Südinsel begann erst 1973. John Forrest besitzt Weinberge hier, aber auch auf der Nordinsel, wo er überwiegend Rotweine erzeugt. Die Südinsel mit ihren kargen Kies- und Schotterböden, meist ehemaligen Flussbetten, ist ein ideales Terrain für den Weißen, den Forrest in Perfektion und überdies zu günstigen Preisen erzeugt. Schon der Name des Weins verweist auf den Zeitgeist, der betonte Mineralität verlangt, und verbindet er ein äußerst nuancenreiches Bukett - Gras, Nesseln, Banane, Stachelbeere, Cassis, Mango - mit mineralischer Festigkeit, die auf die Bodenstruktur und den daraus folgenden geringen Ertrag deutet. Die Flasche ist sehr günstig zum befristeten Sonderpreis von 6,99 Euro in den Ullrich-Verbrauchermärkten am Bahnhof Zoo, in der Wilmersdorfer Straße 25 in Charlottenburg sowie der Mohrenstraße 69 in Mitte zu haben.

SARDINIEN

Roter Super-Sardinier mit Saft

und Kraft

Sardinien - da war mal was. Ein paar gute Weine alle paar Jahre, aber generell schien es doch, als habe man dort die Entwicklung im Rest Italiens verschlafen - viele Weine sind noch immer alkoholreich, unsauber vinifiziert, stammen schmeckbar aus viel zu hohen Erträgen. Diese Diagnose reizte Marchese Incisa, den Gralshüter von Sassicaia, ein Gemeinschaftsprojekt mit seinem Sohn Sebastiano Rosa, dem Önologen Giacomo Tachis und der für ihre guten Weine bekannten Genossenschaft Terre Brune zu gründen: Montessu schaffte es vom Start weg, das große Potenzial der Insel eindrucksvoll zu repräsentieren. Der 2007 Montessu Isola dei Nuraghi IGT ist eine Cuvée aus 60 Prozent Carignano und jeweils zehnprozentigen Anteilen von Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah, also ein „Supersardinier“ analog der Idee der „Supertoskaner“, die meist regionale und internationale Rebsorten zusammenführen.

Dieser bereits in mehreren Verkostungen hochdekorierte Wein ist ein tiefdunkler, schon ein wenig ins Schwärzliche tendierender Roter, der von der Aromatik dunkler Waldfrüchte, Dörrobst, Kirschkompott und exotischen Gewürzen geprägt ist. Am Gaumen erfreut die zupackende, runde Saftigkeit mit pikanter Würze. Sicher ist das kein Sommerwein im üblichen Sinn - aber da die Grillgerichte immer komplexer werden, ist es sicher kein Fehler, ihnen auch einmal einen substanziellen Roten entgegenzusetzen. Und sollte eine Flasche bis zur Weihnachtsgans liegen bleiben – wo ist das Problem? Die Flasche kostet 17,50 Euro in der Piazza Italiana, Oranienburger Chaussee in Glienicke (bei Frohnau) und im Zunftwerk in der Arminius-Markthalle, Arminiusstr. 2-4 in Tiergarten. Bernd Matthies

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben