Zeitung Heute : Weiß der Himmel

Dagmar Dehmer

Umweltminister Gabriel will jetzt doch die Glühbirne verbannen – das ist nur einer von vielen Vorschlägen, mit denen das Weltklima gerettet werden soll. Welche Ideen funktionieren und welche nicht?


Der Klimawandel lässt sich nur durch einen Umstieg auf erneuerbare Energien aufhalten. Darüber sind sich auch die meisten Wissenschaftler einig. Doch da das schwierig ist – die internationalen Klimaverhandlungen zeigen es – gibt es immer mehr Wissenschaftler, die nach radikalen neuen Techniken suchen, um die Welt vor den Folgen der globalen Erderwärmung zu retten.

Klimaanlage für die Erde: Es gibt einige Vorschläge, wie die Erde dadurch gekühlt werden könnte, dass weniger Sonnenstrahlen auf der Erde auftreffen. Eine Variante ist im Auftrag der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa umfassend durchgerechnet worden. Dafür müssten Billionen kleiner Spiegel in den Gravitationspunkt zwischen Erde und Sonne gebracht werden, um die Sonnenstrahlen zurückzuwerfen. Zehn Jahre lang müsste alle fünf Minuten eine Rakete gefüllt mit Spiegeln starten, um die Konstruktion vollständig aufzubauen. Die Kosten gingen ins Unermessliche.

Raketen bräuchte es auch, um den Vorschlag des Nobelpreisträgers und Ozonloch-Papstes Paul Crutzen zu verwirklichen, der die Erde mit einer Art künstlichem Vulkanausbruch kühlen möchte. Nach seiner Vorstellung sollen Tausende von Raketen gefüllt mit Schwefel in die Stratosphäre gejagt werden, zwischen zehn bis 50 Kilometer über der Erde. Dort soll sich der Schwefel wie eine Decke über den Globus verteilen und Sonnenstrahlen abhalten. Crutzens Modell ist der Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991. Zwei Jahre lang seien die Temperaturen um 0,6 Grad gesunken.

Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kann dem Vorschlag allerdings nur wenig abgewinnen. Erstens, argumentiert er, bleibe der Schwefel dort nicht, sondern komme irgendwann auch wieder runter. Ein neues Waldsterben wäre wahrscheinlich. Es würde auch bedeuten, dass man müsste alle zwei bis drei Jahre einen solchen künstlichen Vulkanausbruch wiederholen müsste.

Nicht weniger problematisch findet Levermann den Vorschlag der beiden britischen Professoren John Latham und Stephen Salter. Sie wollen mit tausenden windgetriebener Schiffe Meereströpfchen in eine Höhe von etwa 850 Meter sprühen, um so Wolken zu sähen. Die Wolkenmasse soll dann die Sonnenstrahlen in den Weltraum reflektieren. Das Problem: Schon jetzt gibt es wegen des Treibhauseffekts mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. „Derzeit ist das ein Treiber der Erwärmung“, sagt Levermann. Dazu komme, dass die Veränderung von Wolken regional katastrophale Folgen haben könnte. So könne etwa der Monsun ausgeschaltet werden. Dem hält Stephen Salter entgegen, dass nur wenig Salzwasser gebraucht werde. Einen Praxistest hat es noch nicht gegeben. „Bisher fehlt uns das Geld“, sagt Salter.

Kohlendioxidspeicher: Schon vor Jahren haben Wissenschaftler einen Teil des Meeres mit Eisen „gedüngt“. Daraufhin bildete sich massenhaft Phytoplankton, winzige Pflanzen im Meer, die Kohlendioxid (CO2) binden. Der australische Professor Ian Jones schlägt nun vor, nährstoffarme Teile der Meere mit einem Nitratdünger zu versetzen. Levermann hält das für eine „dynamische Katastrophe“. Bisher verstünden die Klimaforscher noch nicht einmal die Meeresströmungen richtig, geschweige denn die Biologie der Meere. Weniger schädlich findet er dagegen die Idee des New Yorker Professors Klaus Lackner, der der Atmospähre mit künstlichen Bäumen CO2 entziehen möchte. Die Blätter könnten das CO2 mit Natriumhydroxid binden. Übrig bliebe eine Flüssigkeit aus Natriumkarbonat, die unschädlich gelagert werden könnte.

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