Weiterbildung : Triff uns bei Twitter

Viele Firmen sind in sozialen Netzwerken aktiv. Wie das funktioniert, kann man lernen.

Dabei sein ist viel, aber doch nicht alles. Langweilige Blogs oder „tote“ Seiten können für ein Unternehmen, das Social Media nur nebenher betreibt, zur Falle werden. „Kunden können über soziale Medien einen enormen Druck auf das Unternehmen ausüben“, sagt Sebastian Küster, der mit seiner Agentur „soschl midia“ Firmen berät. Für patzige Antworten könne man schnell Ärger kassieren. Damit die Firma nicht gleich in einer Empörungswelle irritierter Followers – dem sogenannten Shitstorm – untergeht, braucht man einen qualifizierten Mitarbeiter, der den alles kundig regelt und überwacht.

Laut Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) nutzt fast die Hälfte (47 Prozent) der deutschen Unternehmen soziale Medien – Tendenz steigend. Denn immer mehr Chefs sind bereit, das Budget für die Kommunikation im Netz aufzustocken. Die beliebtesten Plattformen sind dabei Facebook und das Berufsnetzwerk Xing.

„Um eine Firmenseite zum Beispiel bei Facebook anzulegen, braucht man je nach Umfang bis zu zehn Tage“, sagt Küster. Wie viel Zeit man anschließend in die Betreuung investiert, hänge von der Aktivität der Nutzer ab. „Im Idealfall unterhalten sich die User untereinander.“ Grundsätzlich sollte man aber jeden Tag draufschauen. „Wenn eine Anfrage zwei bis drei Tage unbeantwortet bleibt, dann wirkt das nach außen schon etwas komisch“.

Um tatsächlich Erfolg zu haben, sind Kontinuität und Konsequenz entscheidend. „Im Unternehmen muss jemand da sein, der sich mit Social Media auskennt, die Neuerungen verfolgt und darauf reagiert“, sagt Küster. Private Erfahrungen reichen da nicht aus. Es kommt vielmehr auf eine umfassende Strategie an.

Deshalb setzen immer mehr Firmen auf die Weiterbildung der eigenen Belegschaft. Nach Angaben des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft (BVDW) investieren 62 Prozent der Unternehmen in Schulungen ihrer Mitarbeiter im Bereich Social Media. Denn eine Weiterbildung hilft, soziale Medien strategisch in die Kommunikation des Unternehmens einzubetten. Das Angebot an Kursen und Fortbildungen ist groß und teilweise sehr speziell. Ein Problem dabei: Allgemeingültige Anforderungen an die Qualifikationen von Social-Media-Experten gibt es kaum.

Mit dem neuen Zertifikatslehrgang „Social Media Manager (IHK)“ haben nun die Industrie- und Handelskammern ein einheitliches Training entwickelt. 2011 wurde der Kurs als Pilotprojekt bei der IHK Bonn angeboten. Mittlerweile kann er in vielen deutschen Städten absolviert werden, unter anderem in München, Essen, Cottbus, Dortmund und Köln. Im Herbst will die IHK Berlin mit dem neuen Lehrgang starten. „Das Angebot richtet sich an Unternehmen, denen es um Strategieentwicklung und Umsatzsteigerung geht, sowie an Privatpersonen, die bereits über Vorkenntnisse in diesem Bereich verfügen und sie in ihrem Unternehmen umsetzen wollen“, sagt Katrin Engel, Ansprechpartnerin für den Kurs bei der IHK Berlin.

Vor allem in kleinen und mittelständischen Betrieben herrsche große Verunsicherung, wo man sich präsentieren soll. „Schon allein die Frage ,Was passt überhaupt zu mir?‘ bereitet vielen Kopfschmerzen“, so Engel. Der Lehrgang soll einen Überblick verschaffen. Er umfasst sechs Module, die sich auf 60 Unterrichtsstunden verteilen. „Wir gehen gebündelt auf Themen ein, die andere Anbieter in ihren Kursen oft nur anschneiden“, sagt Engel. Der Praxisbezug steht dabei im Mittelpunkt. Die Teilnehmer lernen, wie und wo sie im Netz auftreten können, welche Inhalte veröffentlicht werden dürfen und wie sie eine umfassende Social-Media-Strategie für ihr Unternehmen entwickeln.

Die Frage, für welche Firma oder Branche sich ein Social-Media-Auftritt lohne, beantwortet Sebastian Küster ganz klar: „für alle“. Zwar könne man damit seine Umsätze nicht unmittelbar steigern. Im Vordergrund stünden aber die Pflege der Marke und der Kundenbeziehungen. „Der große Vorteil ist, dass die Kommunikation im Netz viel offener und ehrlicher ist“, sagt Küster.

Infos zum IHK-Kurs gibt es bei Katrin Engel (eng@berlin.ihk.de). Suchen kann man auch in der Weiterbildungsdatenbank wdb-berlin.de (Stichwort „Social Media“).

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