Zeitung Heute : Welche Firmen Absolventen einstellen

Johannes Edelhoff

Per wird der erste Bachelorabsolvent am Geographischen Institut der Humboldt-Universität sein. Diesen Sommer schließt er sein Studium ab – nach nur drei Jahren. Seine Diplom-Kommilitonen brauchen in der Regel etwa doppelt so lange, bis sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Pers Professor nennt ihn deshalb auch den Turbobachelor.

Doch der Turboakademiker ist verunsichert. „Wir wissen nicht, wie unsere Chancen auf einen Job stehen“, sagt Per. Die meisten Unternehmen können das genauso wenig einschätzen. Es fehlt die Erfahrung, wie sich die Bachelorabsolventen in der Arbeitswelt schlagen.

Doch in vielen Branchen scheinen die Unternehmen gewillt, Bachelorstudierenden eine Chance zu geben. Das zeigt eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Von 915 befragten Bachelorabsolventen, die 2003 ihren Abschluss machten, hatten nur sechs Prozent neun Monate nach Ende des Studiums keinen Job.

Die großen Banken und Handelsunternehmen unterscheiden oft schon gar nicht mehr zwischen den Bachelor- oder Diplombewerbern. Beim Großhändler Tchibo landen die jungen Akademiker mit Bachelor-Abschluss im gleichen Bewerberpool wie alle anderen. Auch die Deutsche Bank, die Hypovereinsbank oder die Commerzbank nehmen Absolventen mit dem neuen Abschluss in ihre Trainee-Programme auf. Die Beraterfirma Boston Consulting bietet eine speziell auf den neuen Studienabschluss zugeschnittene Ausbildung an. Zwei Jahre lang ist man dort als „Junior Associates“ angestellt. Gute Berufseinsteiger schickt die Beraterfirma danach zurück an die Uni, damit sie einen Master im Ausland machen. Während dieser Zeit unterstützt die Firma die Studenten finanziell.

Skeptisch beurteilen dagegen IT-Firmen die neuen Abschlüsse. Nur sieben Prozent aller IT-Unternehmen bevorzugen Bachelorstudierende. Das ergab eine Umfrage der Initiative D21 unter 200 Unternehmen und Organisationen. 40 Prozent aller befragten Unternehmen machen eine Anstellung aber von der tatsächlichen Qualität des jeweiligen Bewerbers abhängig. Die Art des Hochschulabschlusses ist ihnen weniger wichtig.

Aufgeschlossen geben sich die Unternehmen aus dem Technologiepark Adlershof. Dort, nahe des Naturwissenschaftscampus der Humboldt-Universität, haben sich 375 technologieorientierte Unternehmen angesiedelt. „Die Offenheit gegenüber dem Bachelorabschluss ist bei uns gestiegen“, sagt Albrecht Krüger, der Vorstandsvorsitzende des dortigen Unternehmerverbandes. Vielen jungen Bewerbern von der Universität habe bisher die Praxisnähe gefehlt, so Krüger: „Bislang haben wir fast ausschließlich Leute von Fachhochschulen eingestellt. Deren Ausbildung ist zielgerichteter.“ Krüger hofft, dass die Professoren auch wirklich hinter der Praxisausrichtung der neuen Studiengänge stehen. Viele Adlershofer Firmen seien über den neuen Ausbildungsinhalt allerdings noch nicht ausreichend informiert.

Wie gut bereiten die neuen Studiengänge die Absolventen tatsächlich auf das Berufsleben vor? Der Arbeitskreis Personalmarketing, ein Zusammenschluss führender Personalmanger, hat mit dem CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ein Bachelor-Rating erstellt, das gerade erschienen ist. Im Vordergrund der Untersuchung stand nicht die fachliche Kompetenz, die man im Studium erlangt, sondern die „Employability“, also das Kriterium, wie gut ein Bachelorabschluss für den Beruf befähigt. „Die Fachhochschulen schneiden in punkto Employability durchgängig besser ab, als die Universitäten mit ihrem Bachelorprogramm“, sagt Oliver Maassen, der Sprecher des Arbeitskreises.

Er empfiehlt Absolventen, nach dem Bachelorstudium erst einmal im Beruf Erfahrung zu sammeln, bevor sie sich für einen Masterstudiengang entscheiden: „Nach drei oder vier Jahren kann man dann immer noch zurück an die Uni, um sich auf genau das zu konzentrieren, was man im Beruf gebrauchen kann.“ Wenn Studenten, Universitäten und Unternehmen das begreifen, glaubt Maassen, werde das neue System funktionieren. „Dann wird es in Zukunft einen Run auf Bachelorabsolventen geben.“ Maassens Idee muss sich allerdings erst noch verbreiten. Mehr als drei Viertel der Universitäts-Bachelorabsolventen wollen nach dem Abschluss direkt in ein Masterprogramm wechseln, fand das HIS heraus.

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