Zeitung Heute : Welcher Job passt zu mir?

Bei 450 Ausbildungsberufen fällt die Wahl schwer – eine Hilfestellung

Christian Schultz[dpaD]

Konzentriert starrt der 15-jährige Askar Eriksohn auf den Bildschirm. Er sitzt im Berufsbildungszentrum der Arbeitsagentur in Mainz und klickt sich durch eine Liste von Berufen. Ein Jahr geht er noch zur Hauptschule, bald muss er wissen, was er werden will. So wie ihm geht es jährlich mehr als 800 000 Schulabgängern in Deutschland. Einfach ist diese Wahl bei mehr als 450 Ausbildungsberufen nicht.

Die Suche nach dem richtigen Job kann verflixt mühsam sein. Doch wer weiß, worauf es ankommt und wen man fragen kann, macht es sich leichter. Wichtig ist, der Flut an Informationen Herr zu werden, weiß der Berufs- und Karriereberater Ralf Klinge vom Klinge-Institut für angewandte Psychologie in Koblenz. Um sich durch das Dickicht zu kämpfen, sollte die Zahl möglicher Berufe zu Anfang begrenzt werden – das aber ist einfacher gesagt als getan.

„Das Problem ist, dass die Jugendlichen einfach nicht wissen, wer sie sind und was sie gerne machen möchten“, sagt Klinge. Daher sei es unumgänglich, sich zuerst ausgiebig mit den eigenen Fähigkeiten und Interessen auseinandersetzen, auch um späteren Frust zu vermeiden. „Wenn hier Klarheit besteht – das ist meine Erfahrung – dann kommen die Informationen praktisch von alleine hereingeströmt.“

Askar Eriksohn hat die Suche hinter sich, er hat sich im Internet und bei seinen Eltern schlau gemacht. Er möchte im Krankenhaus arbeiten. Den nächsten Schritt hat Askar schon geplant: Er wird sich um ein Praktikum bewerben, um Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen. Doch er kennt Jugendliche, die sich längst noch nicht über ihre Jobwünsche klar sind. Um rechtzeitig den passenden Job zu finden und Bewerbungen loszuschicken, muss aber ein fester Zeitplan eingehalten werden. Mittelständische Betriebe vergeben Stellen meistens ein halbes Jahr vorher, große Unternehmen sogar ein Jahr im Voraus.

Deswegen stattet Sascha Skubski, Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Mainz, Schulklassen rund anderthalb Jahre vor dem Abschluss einen ersten Besuch ab. Trotzdem sind einige mit der Jobsuche zu spät dran. „Manchen fällt im Juni ein, dass die Schule vorbei ist“, sagt er. „Und die fragen sich dann auf einmal: Was mache ich jetzt?“

Die Probleme kennt auch Steffen Schüpferling von der Mainzer Berufsberatung Kiwi. Er hilft Jugendlichen dabei, Stärken, Interessen und Vorlieben zu entdecken. Die Fragen, die er stellt, sind: Was steckt in mir? Was passt zu mir? Wie komme ich ans Ziel? Dabei sollte man nicht nur an Geld denken. „Das ist der schlechteste Motivator.“ Wenn bloßes Nachdenken nicht weiterhilft, baut der Berufsberater einen Parcours auf. Da muss dann an einer Stelle eine Blume gepflanzt und an einer anderen mit dem Schraubenzieher gearbeitet werden. So kann man Talente erkennen. Und auch, wenn dabei meist keine großen Überraschungen herauskommen: Es helfte, seine Fähigkeiten zu artikulieren, sagt Schüpferling. Christian Schultz, dpa

Literatur: Gina Schulze: Arbeit, Leben, Glück: Wie man herausfindet, was man werden will, Deutscher Taschenbuch-Verlag, ISBN: 978-3-423-62220-2, 7,50 Euro. Hilfe im Internet: www.planet-beruf.de, www.berufenet.de, www. youwipod.de.

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