Wellness in Meck-Pomm (2) : Ein Platz für Sensible

Das Ostseebad Baabe trägt als erste Gemeinde das Qualitätssiegel "allergikerfreundlicher Urlaubsort".

Claus-Dieter Steyer

Wenn Allergiker sich auf eine Urlaubsreise vorbereiten, planen sie Zusatzgepäck ein: Kopfkissen oder sogar komplette Bettwäsche, ausgesuchte Lebensmittel, Medizin – eine Ausrüstung zum Schutz vor Hausstaub, Milben, Heuschnupfen, unverträglichen Nahrungsmitteln. Im Ostseebad Baabe auf Rügen wird den Gästen diese Last abgenommen. Das Dorf zwischen den großen Urlauberzentren Binz und Göhren erhielt im vergangenen Jahr von der in der Berliner Charité beheimateten Europäischen Stiftung für Allergieforschung ein außergewöhnliches Qualitätssiegel: „Allergikerfreundlicher Urlaubsort“. Das gibt es nirgendwo sonst.

Da Pollen direkt an der Küste keine Rolle spielen, nimmt sich die Gemeinde vor allem den Nahrungsmittel-, Milben- und Hausstauballergikern an. „Wir stellen schon eine rege Nachfrage fest, obwohl wir bei unseren Gastronomen noch längst nicht am Ziel unserer Wünsche sind“, sagt Uta Donner, die im Ort unter anderem die Unternehmer schult. „Derzeit stehen Allergikern schon Ferienhäuser und Hotels mit insgesamt 220 Betten zur Verfügung.“ Das Besondere an den Residenzen: milbendichte Schutzbezüge, blanke Zimmerböden, kurzflorige Teppiche. Hier kommt ein Staubsauger mit einem speziellen Filter zum Einsatz. Haustiere müssen draußen bleiben. Nahrungsmittelallergiker finden im Supermarkt gluten- und laktosefreie Lebensmittel und Fertiggerichte sowie milchfreies Eis. Der örtliche Bäcker verkauft ei- und nussfreie Backwaren und in den zertifizierten Gaststätten erfolgt bei der Zubereitung eine strikte Trennung zwischen allergenfreien und allergenhaltigen Produkten.

Auch Geschirr, Bestecke, Unterlagen, Schneidbretter, Servierplatten, Rührgeräte und -bestecke, Zangen, Tortenheber, Kellen, Kochlöffel, Backform und Eisportionierer dürfen nicht mit denen der Antiallergiker durcheinandergeraten. Kein einfaches Unterfangen, bestätigt die Projektverantwortliche Uta Donner. Man arbeite noch an Verbesserungen. Gesichert sei aber bereits die medizinische Betreuung der Gäste.

Baabe – ein Ort wie unter einer Käseglocke? Nein, Allergien können auch dort ausgelöst werden. „Doch unser Siegel steht für praktische Verbesserungen“, sagt Uta Donner. „Damit steigern wir einfach die Lebensqualität der betroffenen Gäste.“ Claus-Dieter Steyer

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