Wellness in Meck-Pomm (2) : Mit dem Ranger in die "Alpen"

Seltene Pflanzen, weiche Hügel: Das Mönchgut im Südosten der Insel bietet landschaftliche Kontraste.

Claus-Dieter Steyer
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Hallo, Ranger. Thomas Papke zeigt Touristen „sein“ Mönchgut. Foto: Steyer

Die Verabredung beschränkte sich auf zwei Stichworte: Uhrzeit und als Treffpunkt der Vorplatz der Kirche Thießow. „Sie übersehen mich schon nicht“, sagte Landschaftsführer Thomas Papke am Telefon. Für längere Nachfragen oder die Beschreibung des genauen Treffpunkts – schließlich würden dort sicher eine Menge Menschen sein – blieb keine Gelegenheit. Was war das: vorpommernsche Wortkargheit? Schließlich brauchen die Leute hier bei dieser geringen Einwohnerdichte, den langen Winterabenden und dem häufig rauen Wetter keine langen Reden. Das alles sollte sich im südöstlichen Teil Rügens, einer Landschaft mit dem schönen Namen Mönchgut, als überholtes Vorurteil erweisen.

Thomas Papke nämlich war von der Ausflüglergruppe tatsächlich nicht zu übersehen. Es lag weniger am umgehängten Fernglas und dem beigen Hemd mit einem Emblem am Ärmel, als vielmehr an einem auffälligen Hut mit breiter Krempe. „Ich gehöre zu den Rangern in unserem Biosphärenreservat Süd-Ost-Rügen“, sagte er und seine Augen lächelten freundlich hinter seiner Brille. „Wir kümmern uns nicht nur um Flora und Fauna und die Führung von Besuchergruppen, sondern auch um den Schutz der Natur.“ Und in diesem Fall könne es nicht schaden, mit der etwas ungewöhnlichen Kleidung ein wenig Respekt zu verbreiten.

Tatsächlich musste Papke dann während der kleinen Wanderung mehrere Radfahrer zum Absteigen auffordern, damit die wertvollen Trockenrasenflächen nicht zerstört würden. Und der Ranger erklärte die vor allem im Frühjahr so faszinierende Pflanzenwelt. Thymian, Grasnelken, goldenes Johanniskraut, Glockenblume und Wegkraut und noch viel mehr Gewächse verzaubern den traumhaften Landstrich. Doch der eigentliche Höhepunkt stand mit dem Besteigen des „Berges“ hinter dem kleinen Fischerdorf Klein Zicker bevor. Die aus Süddeutschland stammenden Mitglieder der Ausflugsgruppe blickten sich verdutzt um. „Wo ist denn hier ein Berg?“ fragt eine Münchnerin. „Ich sehe höchstens einen Hügel.“ Flachländer Papke kontert mit einem Lächeln. „Wir kommen hier immerhin auf 38 Meter Höhe. Für uns ist das schon sehr viel.“ Vorsichtshalber verschweigt er, dass die Einheimischen die gegenüberliegenden Berge bei Groß Zicker als „Zickersche Alpen“ bezeichnen. Die kommen gerade mal auf 66 Meter.

Doch selbst die nur 38 Meter hohe Anhöhe bei Klein Zicker reicht aus, um das Herz aufgehen zu lassen. Der Blick auf Ostsee, Thießow, Groß- und Klein Zicker und die wie zum Greifen nahe Festlandküste bei Greifswald und die Nordspitze von Usedom könnten kaum schöner sein. Das finden auch die Tour-Teilnehmer. Sie könnten stundenlang verweilen und sich an der für Rügen ganz ungewöhnlichen Natur sattsehen. Den Ranger freut das sichtlich. Er hält sich in diesem Augenblick zurück, weiß um die Wirkung der Aussicht – und lässt seine Gäste genießen. Claus-Dieter Steyer

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