Wellness in Meck-Pomm (5) : Von der Sonne verwöhnt

Man mag es kaum glauben: Die Sonne scheint in Mecklenburg-Vorpommern so häufig wie nirgendwo sonst in Deutschland. Das, sagen Fachleute, liegt am kühlen Meer und an den Bergen Norwegens.

Claus-Dieter Steyer
Strand
Ruhe vor dem Ansturm. -Foto: ddp

Bei so manchem Wochenendausflug an die Ostseeküste war anfangs der Zweifel ständiger Begleiter. Würde trotz des wolkenverhangenen Himmels am Startpunkt Berlin in Warnemünde, auf Rügen, Hiddensee, Usedom oder in Heiligendamm die Sonne scheinen? Schließlich machen ein Strandspaziergang, das Lesen eines Buches im Strandkorb oder eine Radtour erst bei Sonnenschein so richtig Spaß. Außerdem steigert ein blauer Himmel über dem Meer aus einem weiteren Grund das Wohlbefinden: Die Luft ist dann mit heilenden Brandungsaerosolen angereichert.

Keine Bange also, wenn sich während der ganzen Autobahnfahrt zwischen Berlin und Rostock kein einziger blauer Fleck am Himmel zeigt und selbst nach dem Warnowtunnel in Rostocks Mitte niemand eine Sonnenbrille braucht. Denn am nur fünf Kilometer entfernten Warnemünder Leuchtturm, der Mole und der Promenade vor dem manchmal 150 Meter breiten Strand kann trotzdem strahlendes Wetter sein. So verwundert es wohl kaum, dass die sonnenreichsten Orte an der Küste in Mecklenburg-Vorpommern zu finden sind.

Laut einer Übersicht der Meteomedia AG von Promi-Wetterfrosch Jörg Kachelmann gehörte der Spitzenplatz im Vorjahr wiederum der Insel Hiddensee. Genau 2168 Stunden schien die Sonne im Dornbusch am Leuchtturm, 37 Stunden weniger waren es in der Dünenheide in der Inselmitte. Platz drei ging an das kurz vor Kap Arkona auf Rügen gelegene Juliusruh mit 2089 Stunden. Danach folgten zwar mit Uhlingen-Mühlhofen und Hohentwiel zwei Orte aus Baden-Württemberg, doch mit der Greifswalder Oie vor Usedom tauchte auf Rang sechs (2054 Stunden) wieder Mecklenburg-Vorpommern auf. Auch Heiligendamm gehörte noch zur Spitzengruppe. Im Vergleich dazu schien die Sonne 2008 in Berlin nur 1745 Stunden. Dabei schneidet die Hauptstadt im Vergleich zu Dresden (1500) oder dem Ruhrgebiet (knapp 1400 Stunden) noch gut ab.

Die Gründe für den gerade an der Küste so wichtigen Wellnessfaktor Sonne sind geografischer wie meteorologischer Natur. Im Norden dauern die Sommertage einfach etwas länger.

„Entscheidender aber ist die Rolle unserer Ostsee“, sagte Stefan Kreibohm von der Meteomedia AG auf dem jüngsten Meck-Pomm-Tourismustag. „Unsere altbekannten Cumulus-Wolken mögen keine kalte Luft über dem Ostseewasser, sondern ziehen sich lieber über das viel schneller aufzuwärmende Land zurück.“ Deshalb seien kleine und vom Festland entfernte Inseln genau wie die Ostseeküste im Allgemeinen von der Sonne verwöhnt, meinte der NDR-Wettermann auf Hiddensee. Schon die Seefahrer vor vielen hundert Jahren wussten über diese Wetterregel der Ostsee Bescheid: Wo Wolken sind, da ist Land, besagt die alte Regel.

„Außerdem profitiert Mecklenburg-Vorpommern von den hohen Bergen in Norwegen“, sagt Kreibohm. „Die stellen sich den vom Nordmeer heranströmenden Wolkenmassen in den Weg, lenken sie zur Nordsee um oder halten sie gänzlich auf.“ Daher regne es so häufig in dem skandinavischen Land. Bei einem kräftigen Tiefdruckgebiet über Finnland oder den baltischen Republiken werde dann die abgetrocknete Luft aus Norwegen bis an die Ostseeküste geweht. „Die ist zwar kühl, aber dafür lacht die Sonne“, stellte der Meteorologe fest.

Nicht zuletzt dem vielen Sonnenschein in Warnemünde verdankt die Menschheit die Erfindung des Strandkorbes. 1882 gab Elfriede von Maltzahn beim Korbmacher Wilhelm Bartelmann die Anfertigung einer „Sitzgelegenheit für den Strand als Schutz vor allzu viel Sonne und Wind“ in Auftrag. Die Dame litt an Rheuma, wollte aber trotzdem das heilende Reizklima in Warnemünde genießen. Der Korbmacher baute einen „Strandstuhl“ aus Weiden und Rohr. Spötter nannten die Konstruktion einen „aufrecht stehenden Wäschekorb“, aber das konnte dem Erfolg des Prototyps nichts anhaben. Der Siegeszug des Strandkorbs war nicht mehr aufzuhalten.


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