Zeitung Heute : Weltanschauungen anders gesehen

Sozialarbeiter aus kirchlichen Einrichtungen frischen an der KHSB ihr Wissen über Religion auf

Nellie Krickhahn

Ab dem kommenden Wintersemester bietet die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) den Masterlehrgang Soziale Arbeit an. Das Studium ist konsekutiv, baut also unmittelbar auf den Bachelorabschluss auf. Soziale Arbeit in kirchlichen Einrichtungen und Verbänden, interkulturelle Arbeit sowie Beratung und Bildung sind mögliche Studienschwerpunkte.

„In dem Masterlehrgang geht es darum, Schlüsselkompetenzen wie Personalführung, Management und Rechnungswesen an Führungskräfte in der Wohlfahrtspflege zu vermitteln“, sagt Andreas Lob-Hüdepohl, Rektor der KHSB. Aber auch Religion und Philosophie stehen auf dem Stundenplan. „Denn um Not leidende Menschen zu verstehen, muss man sich auch mit deren Weltanschauung auseinandersetzen.“

Kirchliche Krankenhäuser, Schulen und Kitas sind längst nicht mehr nur Menschen der jeweiligen Konfession vorenthalten, sie stehen allen offen. Auch das Personal der Einrichtungen wird nicht mehr ausschließlich aus dem kirchlichen Umfeld rekrutiert, wie es noch in den 80er Jahren üblich war. Die Mitarbeiter waren damals durch ihre religiöse Lebensführung geprägt – und brachten Kenntnisse mit, die heute fehlen.

Denn Eltern, die ihr Kind bei einer katholischen Kindertagesstätte anmelden oder bei Krankheit in eine katholische Klinik bringen erwarten oftmals, dass das Personal mit religiösen Themen umgehen kann. Doch die Beschäftigten haben meist zu wenig Hintergrundwissen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Was macht die katholische Lehre aus? Warum gibt es sie eigentlich? Über fünf Teilzeitsemester und 2700 Stunden Arbeitsaufwand lernen die angehenden Sozialarbeiter, Antworten auf solche theologischen Fragen zu geben.

Nach dem Abschluss sollen sie außerdem in der Lage sein, auch mit fremden Weltanschauungen umzugehen. Damit sie die Bodenhaftung nicht verlieren, müssen sie auch praxisnahe Kurse belegen. Der Schwerpunkt „Bildung und Beratung“ behandelt unter anderem Standardsituationen sozialer Arbeit. Die Studenten lernen zum Beispiel, zwischen Kita und Elternhaus zu vermitteln.

Der anwendungsbezogene Studiengang Soziale Arbeit ist in engem Austausch mit der Caritas entstanden. Und das ist wenig erstaunlich: Mit einer Million Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen sind die Kirchen besonders stark vertreten. Etwa die Hälfte aller sozial arbeitenden Menschen sind bei kirchlichen Trägern tätig.

Die Akkreditierung des neuen Masterstudienganges ist bereits erfolgt, ab April 2008 können Studierende sich um einen Platz bewerben. Stefan Reinders, Leiter der Fort- und Weiterbildungsakademie der Caritas in Berlin ist mit dem neuen Studiengang zufrieden. „Soziale Arbeit braucht motivierte und professionell ausgebildete Fachkräfte“, sagt der Experte. „Die im Studiengang an der KHSB beabsichtigte Konzentration auf generalistische Schlüsselkompetenz ist genau das, was wir brauchen.“ Nellie Krickhahn

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