Weltraum : Pok Choy auf dem Mars

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Curiosity, jener Sam genannte Marsrover, hat mal wieder etwas gefunden. Sam findet gerne etwas da oben beim roten Nachbarn, gerne auch kündigt die Nasa die Funde an als solche für die Geschichtsbücher. Die Welt horcht dann auf, auch der Mittfünfziger, etwas für die Geschichtsbücher, hat Sam etwa das Marsmännchen getroffen? Und kann jetzt Auskunft geben, ob dieses tatsächlich grün ist? Aber meistens ist die Nasa dann kleinlaut, weil Sam nur ein bisschen Dreck aufgeklaubt hat. Diesmal hat er organische Teilchen gefunden, Sauerstoff, Chlorgas und Kohlenstoffmoleküle, woraus sich irdisches Leben basteln ließe. Bevor die Welt aber nun wieder aufhorcht, hat die Nasa diesmal eingestanden, dass das Material auch von Sam selber stammen und er es höchstpersönlich auf seiner langen Reise mitgebracht haben könnte. Dass es also auch von der Erde stammen könnte, und dass dort irdisches Leben möglich ist, ist nicht gerade das, was man eine Sensationsnachricht nennt. Aber es wird natürlich enger auf der Erde, weswegen die Chinesen nachgedacht und nun einen tollkühnen Plan haben.

China will auf dem Mars frisches Gemüse anbauen. Während die Amerikaner noch im Dreck wühlen und im Sandkasten spielen, arbeiten sie im Land der aufgehenden Sonne schon an Ackerbau und Viehzucht.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldet, dass in Peking in einem 300 Kubikmeter großen „ökologischen Lebensunterstützungssystem“ vier verschiedene Gemüsesorten angebaut wurden. Mit so einem weltraumtauglichen Gewächshaus sollen die Raumfahrer mit Luft, Wasser und Essen versorgt werden, eben auch mit frischem Gemüse. Es war den umsichtigen Chinesen verständlicherweise zu lästig, bei ihren Flügen durch das Weltall Pok Choy, Bambussprossen, Lotoswurzeln und einen ausreichend großen Wok mitzuschleppen. Und wenn sie schon mal da sind, können sie das „ökologische Lebensunterstützungssystem“ auch gleich auf dem Mond und später auf dem Mars installieren. Im nächsten Jahr schicken sie in ihrem ehrgeizigen Weltraumprogramm erst mal ein Forschungsfahrzeug auf den Mond, danach ist eine bemannte Mondmission geplant. Die kann nachschauen, ob Neil Armstrong seinerzeit tatsächlich Stars and Stripes in den Mondboden gerammt hat. Wenn dann später auf Mars und Mond der Chinakohl sprießt, stellt sich aber noch eine, nicht unwichtige Frage: Wer erntet? Curiosity?Helmut Schümann

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