Weltraumbestattung : Asche im All

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Nun strömen sie wieder in diesen Tagen, die Geminiden und Ursiden. Das sind Meteorströme, die, wenn denn keine Wolken dazwischen stören, als Sternschnuppen zu beobachten wären. Sternschnuppen, man kennt das noch überwiegend aus der Kindheit, wenn man eine sieht, muss man angeblich ganz schnell die Augen schließen, sich dabei etwas wünschen, darf aber mit niemandem und niemals darüber sprechen, weil sich sonst der Wunsch nicht erfüllt.

Wahrscheinlich ist dieses Schweigegelübde der Grund dafür, dass man noch nie etwas davon gehört hat, ob diese Wunschmethode Erfolg hatte. Vielleicht ist die Erfolgsquote aber auch deshalb so gering, weil so eine Sternschnuppe hübsch anzusehen ist und die Leute darüber vergessen, ganz schnell die Augen zu schließen. Künftig dürfte noch weniger weggesehen werden, schließlich könnte, was da als Sternschnuppe, Feuerball, Meteor aus dem All kommt und beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht, auch der eigene kürzlich verstorbene Angehörige sein, zumindest das, was nach der Einäscherung von ihm übrig geblieben ist.

Im US-Bundesstaat Virginia versprechen die Behörden nun bis zu 8000 Dollar Steuererleichterung, wenn man seine Asche vom Nasa-Raketenstartplatz auf Wallops Island ins All schießen lässt. Ein im Weltraumbestattungssektor involviertes Unternehmen verspricht eine „unvergänglich himmlische Reise“. Wobei die Frage offen bleibt, was man als durchs All schwebende Asche von der Steuererleichterung hat.

Auch hierzulande bietet ein Bestatter aus Hannover solche ultimativen Flüge an. In drei Varianten: in der billigen Version für 11 000 Euro, bei der fliegt man in einer bleistiftgroßen Miniurne hoch, schwebt dort ein wenig rum, bis man beim Wiedereintritt in die Atmosphäre endgültig verglüht. Das heißt, man fliegt nicht komplett, sondern es fliegen nur sieben Gramm. Etwas mehr muss schon hinlegen, wer auf dem Mond aufschlagen will, ebenfalls sieben Gramm, nämlich 25 000 Euro. Zum gleichen Preis kann man aber auch eine endlose Umlaufbahn ohne Rückkehr wählen. Die umfassendste Möglichkeit ist jedoch die Komplettentsorgung, bei der nicht nur sieben Gramm, sondern die gesamte Asche, also, je nach Knochenbau zwischen drei und fünf Kilo, hochgebeamt wird. Macht 500 000 Euro. Das Geschäft scheint Zukunft zu haben. Es geht ihm aber wie den Sternschnuppenwünschen: Erfahrungsberichte sind noch nicht überliefert.Helmut Schümann

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