Zeitung Heute : Weltreise in Millisekunden

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Von den Kanarischen Inseln nach Moskau in nur einer Millisekunde - länger braucht ein neuer Routenplaner von Siemens nicht, um mit rund 500000 Streckenabschnitten die optimale Strecke inklusive Fährverbindungen auf einem Notebook zu berechnen. „Das System ermittelt den Weg vom exakten Start- zum exakten Zielpunkt, und es kam uns besonders auf hohe Rechengeschwindigkeit an“, sagt Siemens-Sprecher Hartmut Runge.

Moderne Auto-Navigationssysteme müssen blitzschnell eine Frage beantworten: Wie leite ich meinen Fahrer optimal zum Zielpunkt? Das Problem dabei ist die begrenzte Rechenkapazität des Bordcomputers. Bisherige Systeme ziehen sich aus der Affäre, indem sie sich an das Ergebnis allmählich herantasten, ähnlich wie der Mensch. So leiten die Navigationssysteme den Autofahrer erst einmal von der Innenstadt auf die großen Ringstraßen, dann auf die Ausfallstraße, dann auf die Autobahn. Entsprechend am Zielort: Dort verfeinert der Rechner die Suche erst dann, wenn sich das Fahrzeug dem exakten Ziel nähert.

„Auf diese Weise trifft man nur in Ausnahmefällen den optimalen Weg“, sagt Professor Ulrich Lauther, der bei Siemens das neue Verfahren entwickelt hat. „Man verfährt sich zwar nicht, aber Zeit ist Geld, und so wäre es besser, wenn man von Anfang an den optimalen Weg einschlägt.“

Lauthers Team hat einen Algorithmus erfunden, der im Vorfeld sozusagen an jeder Kreuzung einen mathematischen Wegweiser aufstellt. Folgt man diesen Wegweisern, ist die kürzeste (oder schnellste, billigste) Routenwahl garantiert.

„Theoretisch könnte man für einen Routenplaner sä mtliche möglichen Strecken ausrechnen und abspeichern, dann bräuchte man für jedes Problem die passende Route nur noch abzurufen“, sagt Lauther. „Dies würde aber jahrelanges Rechnen erfordern, und am Ende scheitert das Ganze am nicht vorhandenen Speicherplatz.“

Deshalb griffen die Siemens-Forscher zu dem Trick mit den virtuellen Wegweisern. Auf diese Weise müssen sie nicht mehr alle Strecken vorausberechnen, sondern nur noch die digitale Landkarte aufbereiten. Am Ende genügen acht Byte pro Streckenabschnitt, um die Ergebnisse zu speichern. Bei der oben erwähnten Europakarte erfordert dies rund vier Megabyte Speicherplatz - kein Problem für eine CD-ROM.

Noch orientiert sich das System an einer fest vorgegebenen Landkarte. Im nächsten Schritt könnten auch Informationen über Baustellen, Staus oder Glatteis hinzukommen. „Dann könnte ein zentraler Server diese Infos in die Aufbereitung der Landkarte einarbeiten“, sagt Lauther, „und die Navigationssysteme in den Autos über Mobilfunk oder Internet mit den neuesten Daten versorgen.“ Brigitte Röthlein

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