Weltweite Konflikte : 51 Millionen Menschen auf der Flucht

Mehr Menschen als je zuvor seit dem Zweitem Weltkrieg sind durch Kriege und Gewalt gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Wohin gehen diese Menschen in ihrer Not?

Syrische Flüchtlinge in der Türkei.
Syrische Flüchtlinge in der Türkei.Foto: dpa

„Wo ich gespielt hatte, wo ich zur Schule gegangen war, wo ich mit meiner Familie gelebt hatte, ging alles in Flammen auf“, erinnert sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an seine Zeit als Flüchtling des Koreakriegs in den fünfziger Jahren. Wenn Ban über sein persönliches Schicksal spricht, hat er auch eine Botschaft für die Flüchtlinge von heute: „Die Welt ist bei Ihnen, ich bin bei Ihnen.“

Gut gemeinte Worte angesichts der Tatsache, dass sich die globale Flüchtlingskrise immer weiter verschärft: Die Zahl der Entwurzelten hat den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erreicht. Zum Jahresende 2013 waren laut UN mehr als 51 Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Unterdrückung. Und das Heer der Vertriebenen ist laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR im Verlauf dieses Jahres noch weiter gewachsen. „Es herrscht ein gefährlicher Mangel an Frieden“, warnt der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres.

Die meisten sind Binnenflüchtlinge

Auf der Flucht im eigenen Land waren laut UNHCR Ende 2013 mehr als 33 Millionen Männer, Frauen und Kinder. Damit erreichte die Zahl der sogenannten Binnenflüchtlinge den höchsten Stand seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1989. Innerhalb Syriens irrten Ende 2013 mehr als 6,5 Millionen Menschen umher, mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Auf den nächsten Plätzen liegen Kolumbien (5,4 Millionen) und die Demokratische Republik Kongo (knapp drei Millionen).

Der Großteil kommt aus Syrien

Die Zahl der Flüchtlinge, die im Ausland Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchten, lag laut dem Hilfswerk Ende 2013 bei rund 17 Millionen Menschen, davon weit mehr als drei Millionen Menschen aus Syrien. Die Syrien-Hilfe ist mittlerweile die größte Operation in der 64-jährigen Geschichte des UNHCR. Die meisten Syrer schlugen sich in die Türkei, in den Libanon und nach Jordanien durch. Weitere Länder, aus denen viele Menschen flohen, sind Afghanistan (2,6 Millionen Menschen) und Somalia (eine Million). Viele der Vertriebenen bewerben sich um Asyl in einem fremden Land. Im Jahr 2013 reichten 1,1 Millionen Männer, Frauen und Kinder einen Antrag ein. Darunter waren mehr als 25 000 Kinder, die getrennt von ihren Eltern Schutz suchten. In Deutschland gingen laut UNHCR 2013 rund 110 000 Bewerbungen ein, damit war Deutschland der Staat mit den meisten Anfragen.

Staatenlose werden nicht mit gezählt

Nicht eingerechnet in die 51 Millionen Flüchtlinge sind die rund zehn Millionen staatenlosen Männer, Frauen und Kinder, die international kaum Beachtung finden. „Staatenlosigkeit ist ein massives Problem“, warnt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch diese Menschen bräuchten Hilfe.

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