Zeitung Heute : Wenig Interesse für das Zuwanderungsgesetz

Der Tagesspiegel

Während im Bundesrat über das geplante Zuwanderungsgesetz beraten wurde und mehrere Flüchtlinge und Asylbewerber mit einer Kundgebung am Potsdamer Platz gegen das geplante Gesetz demonstrierten, zeigte sich die größte Ausländergruppe in Berlin eher indifferent gegenüber dem unter Deutschen heiß diskutierten Thema Zuwanderung: An vielen Türken geht das Thema schlicht vorbei. Selami Ekren zum Beispiel, dem das Musikgeschäft in der Bülowstraße in Schöneberg gehört, hat kaum von dem Gesetzesvorhaben gehört. „Ich habe mit dem Geschäft so viel zu tun, dass ich kaum dazu komme, Zeitungen zu lesen“, sagt er. Er vermutet, dass das Thema mehr die Türken interessiert, die noch Familienangehörige in der Türkei oder keinen unbefristeten Aufenthaltsstatus haben. Die „Strapazen“ des Ausländergesetzes habe er selber durchlebt. 1980 sei er befristet für zwei Jahre als Geschäftsmann angeworben worden, damit er den türkischen Basar (1978 bis 1991) in dem damals stillgelegten Hochbahnhof Bülowstraße mit aufbaut. Dafür habe er unterschreiben müssen, dass er seine Frau und die zwei Kinder nicht mitbringen darf. Nach „leidvoller Zeit“, so Altay, hat er eine Aufenthaltsberechtigung bekommen, die ihm alle Rechte außer dem Wahlrecht gewährt, und die Famile ist nun auch hier.

Besser informiert zeigt sich Amine Tasdan (21), Studentin der Erziehungswissenschaften und der Islamwissenschaft. „Die Wirtschaft braucht hochqualifizierte Experten“, sagte sie. Dennoch verstehe sie nicht, dass Deutschland Zuwanderer brauche, wo es doch so viele Arbeitslose gebe. „Aber das Land kann ruhig großzügiger zu den Flüchtlingen sein“, sagte sie. Die junge Frau mit islamisch verhülltem Haupt gab an, nur deusche Zeitungen zu lesen, Kiss FM und „Radyo Metropol“ zu hören. Sie sei gerade dabei, die deutsche Staatsangehörikeit zu beantragen. „Nun sind genug Ausländer gekommen“, meint dagegen Yildiz Yilmaz (32). Sie ist Verkäuferin in einem Brautmodengeschäft in der Potsdamer Straße und lebt seit 1971 in Berlin.

suz

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