Zeitung Heute : Wenige Autos und sehr viel Ambiente

Ingo Dahlern

Von morgen an ist er, wie bereits berichtet, wieder geöffnet - der Showroom von Mercedes-Benz am Kürfürstendamm 203. Täglich von 9 bis um 24 Uhr lädt er ein - in ein Ambiente, das dieser ersten Adresse der Hauptstadt vollauf gerecht wird. Edelholz und Leder, Glas und Edelstahl und glänzende Lacke prägen den 750 Quadratmeter messenden völlig neu gestalteten und edel wirkenden Raum mit seiner raffinierten Lichttechnik und modernster Multimediatechnik.

Allein 21 Monitore unterschiedlicher Größe erlauben den Blick in die verschiedensten Bereiche der Mercedes-Welt, die sich hier zugleich mit exklusiven Ausstellungsstücken präsentiert. Einem der legendären 300 SL aus den Fünfzigern mit seinen eigenwilligen Flügeltüren und davor dem neuen SL 500, mit dem die nunmehr fünfte Generation dieses sportlichen Spitzenmodells erst vor wenigen Wochen an den Start ging.

Umrahmt ist das alles von einer Präsentation hochwertiger Accessoires - vom kleinen Modellauto für 4,50 Euro bis zu edlen Chronometern für einen vielfachen Betrag - und ausgewählten Zubehörs, wie zum Beispiel edlen Leichtmetallrädern. Und zum Verweilen laden nicht nur die verschiedenen interaktiven Systeme, mit denen sich das Angebot von Mercedes-Benz erschließen lässt, sondern ein "Daimlers" genanntes Bistro, das sowohl zum unkomplizierten morgendlichen Espresso an der Theke, zum schnellen Lunch um die Mittagszeit als auch zum edlen Dinner am Abend einlädt - mit Gerichten der neuen deutschen Küche mit mediterranem Touch und - eine Hommage an Gottlieb Daimler - schwäbischen Spezialitäten.

Wie schon die eigenwillige und geradezu gewaltige Mercedes-Welt am Salzufer ist auch dieser vergleichsweise kleine Showroom ganz anders, als es die bislang üblichen Autoverkaufshäuser und Ausstellungspavillons sind. Gewiss, auch hier sollen letztlich Kunden für die Marke Mercedes-Benz gewonnen und auch Autos verkauft werden. Doch das geschieht in einer Erlebniswelt mit vielen ungewohnten und neuen Akzenten, wie sie für die Marke mit dem Stern in diesem Format völlig neu ist. Und das Produkt zeigt sich dabei allein in wenigen exklusiven Einzelstücken. Denn ob A-Klasse oder den ML, ob C-Klasse oder S-Klasse - sie haben in diesem Showroom gar keinen Platz.

Wer sie in allen Varianten kennenlernen will, der kann das am Salzufer. Und das ist, wenn auch ein paar Kilometer entfernt, am Kurfürstendamm ganz nah. Denn man kann jederzeit einen Shuttle besteigen, der einen von Showroom zum Salzufer bringt und, wenn gewünscht, auch wieder zurück.

Akzente gesetzt mit der Präsentation ihrer Produkte haben Mercedes-Benz und ihre erst 1926 fusionierten Vorgänger und damaligen Konkurrenten Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz und Cie. in Berlin bereits kurz nach der Jahrhundertwende - jener, als der 18 eine 19 folgte. Knapp 100 Jahre liegen zwischen der Eröffnung des neuen Showrooms am Kurfürstendamm und des Ausstellungsraums der "Mercedes-Palast GmbH Berlin" Unter den Linden Ecke Pariser Platz im Jahr 1903. Wie berechtigt der Begriff "Palast" ist, zeigt ein Blick in die großzügige Ausstellungshalle, die erste ihrer Art in Berlin, die für jene Zeit ebenso sensationell gewesen sein muss wie für uns die Mercedes-Welt am Salzufer.

Mit 180 Quadratmeter weniger groß, aber dafür ausgesprochen elegant in Stil der Kaiserzeit gab sich der 1913 eröffnete Ausstellungsraum von Daimler im prachtvollen Mercedes-Haus Unter den Linden 51/52 mit griechischen Säulen und Statuen auf dem Erkergesims und den drei großen Schaufenstern mit Rundbögen und blinkendem Spiegelglas und der prächtigen Säule innen, dessen Eröffnung ein großes gesellschaftliches Ereignis in der Hauptstadt war.

Der "Benz" war zu jener Zeit allerdings auch schon in Berlin vertreten - ja mit seinem 1901 in der Kronenstraße eröffneten Büro sogar ein Jahr früher als der "Daimler" am Ort und schon seit 1904 Unter den Linden präsent. 1927, ein Jahr nach der Fusion, wurde das Salzufer zur Hauptniederlassung der Daimler-Benz AG und das Mercedes-Haus Unter den Linden Verkaufs- und Ausstellungshaus der neuen Gesellschaft. Die zog 1937 dann erstmals in den Westen Berlins - eröffnete am Kurfürstendamm 26"a an der Ecke Fasanenstraße einen Ausstellungsraum, der 1943 ein Opfer des Bombenkrieges wurde.

Doch im Westen der Hauptstadt vertreten war Daimler-Benz schon ein Jahrzehnt früher. Denn kein Geringerer als der Rennfahrer Rudolf Caracciola hatte bereits am 3. Januar 1927 am Kurfürstendamm 66 Ecke Klausewitzstraße seine eigene Mercedes-Vertretung eröffnet. 1929 eröffnete eine Verkaufsstelle in der Budapester Straße 9. Kurzum, Daimler-Benz war vor dem Zweiten Weltkrieg durchaus repräsentativ auch im vornehmen Westen Berlins vertreten.

Als West-Berlin wurde dieser Westen nach dem Krieg zum einzigen Standort des Unternehmens. Und das kehrte 1959 wieder an den Kürfürstendamm zurück. Die Rückkehr in die alte City geschah dann am 12. April 1991 mit der Eröffnung eines großen Ausstellungsraums in der Friedrichstraße 180/184. Von 1993 an war man dann auch für einige Zeit noch am Alexanderplatz 5 präsent. Und 1997 schließlich eröffnete der repräsentative Ausstellungsraum am Potsdamer Platz in der Eichhornstraße 5. Mit der Wiedereröffnung am Kurfürstendamm ist man nun auch am westlichen Prachtboulevard wieder angemessem vertreten.

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