Zeitung Heute : Wenige Wedel ohne Wärme

Palmen stammen aus den Tropen und aus den Subtropen – drei große Gruppen gilt es zu unterscheiden.

Palmen sind der Inbegriff einer Urlaubslandschaft mit weißen Sandstränden unter azurblauem Himmel, wo sie in tropischen Gefilden zum gewohnten Bild gehören. Schon lange üben diese Pflanzen mit exotischem Flair auf die Menschen eine große Faszination aus, seit Jahrtausenden pflegt man sie als Nutzpflanze und schätzt sie gleichermaßen als Kultgegenstand.

Das war schon vor fast 5000 Jahren so. In den Gärten des Zweistromlandes – wo im damaligen Mesopotamien Assyrer, Babylonier und Sumerer lebten – standen auch Dattelpalmen als wichtige Nahrungslieferanten. Berühmt und auf Bildern überliefert sind uns die Baumhaine der Assyrer mit Dattelpalmen und in den Gärten der Pharaonen standen Palmen in Gemeinschaft mit Akazien, Feigen und Maulbeerbäumen.

Sie waren nicht nur Nahrungsmittel, sondern galten auch als Symbole der Fruchtbarkeit und fanden in Mythen sowie religiösen Bräuchen mancher Völker ihren Niederschlag. Für die Griechen der Antike waren sie ein Symbol des Sieges und die Palmwedel haben ihre Bedeutung als Zeichen des Friedens seit dieser Zeit nicht verloren.

Nach Europa kamen die ersten Palmen durch Seefahrer und Pflanzensammler im Mittelalter zusammen mit anderen Pflanzen aus tropischen und subtropischen Gebieten. Seit rund zweihundert Jahren werden Palmen systematisch gesammelt, beschrieben, erforscht und in Gewächshäusern ausgestellt. Man errichtete extra dafür in Botanischen Gärten Palmenhäuser, von denen in Deutschland neben Herrenhausen bei Hannover vor allem das Palmenhaus auf der Pfaueninsel in Berlin Berühmtheit erlangte. Aber auch im Botanischen Garten Berlin-Dahlem sind zahlreiche Palmen im Sommer als Kübelpflanze im Freiland sowie ganzjährig in den Gewächshäusern zu sehen.

Das Angebot in Gartencentern und Blumengeschäften ist reichhaltig und bietet eine große Auswahl. Dabei sollte man nicht nur die Ansprüche der Arten kennen, sondern sich auch über die zu erwartende Größe informieren, denn hier gibt es große Unterschiede. Am besten fasst man die Palmen hinsichtlich ihrer Ansprüche in drei Gruppen zusammen. Das erleichtert beim Kauf die Wahl und lässt gut erkennen, ob man dieser Art die erforderlichen Ansprüche bieten kann.

Die Arten der ersten Gruppe stehen im Sommer besser im Freien oder finden in luftigen Räumen Platz. Die Temperaturen sollten im Winter 10 Grad Celsius nicht übersteigen. Dazu gehört die Zwergpalme (Chamaerops humilis), als einzige europäische Art ist sie sehr anspruchslos. Sie stammt aus dem westlichen Mittelmeergebiet und verträgt auch kurzfristig ein paar Minusgrade. Der Wuchs ist meist buschig und erst im Alter wird sie höher als einen Meter. Besonderes Merkmal sind die scharfen Dornen an den Stielen. Leicht mit der Zwergpalme zu verwechseln ist die Hanfpalme (Trachycarpus fortunei). Als Unterschied gilt, dass die oberseits flachen Blattstiele nur mit kleinen Dornen besetzt sind. Sie wächst langsam, kann aber nach Jahren zwei Meter Höhe erreichen. Zahlreiche Stämme mit fächerförmigen Blättern bildet die Steckenpalme (Rhapis exelsa), auch Lady-Palme genannt. Sie wächst sehr langsam und erreicht eine Höhe von 120 bis 150 Zentimeter. Zu den populärsten Arten gehört die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), die mit den weit ausladenden Wedeln schon nach wenigen Jahren viel Platz braucht. In der Wuchshöhe nähert sie sich erst nach Jahren der Zwei-Meter-Marke. Dagegen dauert es bei der Nikanpalme (Rhopalostylis baueri) nicht so lange. Ihre Wedel bilden am Ende des glatten Stammes eine gleichmäßig gefiederte, recht dekorative Krone. Schließlich soll in dieser Pflegegruppe noch die Washington-Palme (Washingtonia filifera), erwähnt werden. Die Blätter dieser sehr dekorativen Art bilden breite Fächer, an denen bastartige Fäden herabhängen.

Die Arten der zweiten Gruppe stehen ganzjährig im mäßig warmen Zimmer, die Temperaturen sollten im Winter um 15 Grad Celsius liegen. Hier gehört die Bergpalme (Chamaedorea elegans) mit weniger als einem Meter Höhe zu den beliebtesten Arten. An den dünnen rosettenartig erscheinenden Blattstielen reihen sich dünne schmale Fiederblätter. Sie gehört zu den wenigen Palmen, die auch bei Zimmerkultur blühen. Schon seit mehr als 100 Jahren ist die Kentiapalme (Howeia forsterana) ein eleganter Zimmerschmuck. Die großen Fächer am Ende der fast zwei Meter langen Stängel sind dekorativ. Ähnlich schön ist die Schirmpalme (Livistona), von der mehrere Arten angeboten werden. Im Gegensatz zur Kentiapalme sind die langen Stängel mit scharfen Dornen besetzt.

Zur dritten Gruppe gehören die anspruchsvolleren Arten, die ganzjährig Temperaturen um 20 Grad Celsius benötigen und besonders gut bei höher Luftfeuchtigkeit gedeihen.

In dieser Gruppe ist das Kokospälmchen (Microcoelum weddelianum) die Kleinste. Ihre grazilen Wedel können einen Meter lang werden und sind gleichmäßig mit Fiederblättchen besetzt.

Mit großen, fächerartigen Blättern gehören die Lataniapalmen (Latania lontaroides) zu den überaus dekorativen Vertretern, aber auch die Strahlenpalme (Licuala grandis) verfehlt ihre Wirkung nicht. Ihre großen Fächer sind mehr flächig und im Gegensatz zu den meisten anderen Fächerpalmen kaum eingeschnitten. Beide Arten erreichen nach vielen Jahren eine Höhe bis etwa zwei Meter. Interessant geformte Wedel bietet die Fischschwanzpalme (Caryota mitis), die über zwei Meter hoch wird. Ihren Namen erhielt sie wegen der Form der Blattfieder, die wegen ihrer abgerissenen Spitze an einen Fischschwanz erinnern.

Grundsätzlich wollen die meisten Palmen einen hellen Standort und nur wenige wie zum Beispiel Bergpalme und Kentia gedeihen auch an lichtarmen Plätzen noch gut. Direkte Sonne vertragen alle Arten, die im Sommer im Freien stehen können. Allerdings sollte man sie nach den lichtarmen Wintermonaten allmählich an Sonne gewöhnen, wenn man sie ins Freie stellt. Der Schatten eines Baumes oder Leinen, aber auch Gardinen eignen sich zum Abdecken.

Der Wasserbedarf ist im Jahresverlauf recht verschieden. Während alle Palmen im Sommer reichlich Wasser benötigen, muss man im Winter bei eingeschränkten Licht- und Temperaturverhältnissen vorsichtig gießen. Grundsätzlich gilt: je kühler sie stehen, desto weniger Wasser benötigen sie. Von April bis September erhalten alle Palmen wöchentlich eine Gabe Volldünger von etwa einem Gramm pro Liter Wasser. Palmen lieben kleine Töpfe und werden erst dann verpflanzt, wenn sie den Topf zu sprengen drohen. Ausnahmen bilden Jungpflanzen, die man jedes Jahr umpflanzt. In jedem Fall darf der neue Topf nur wenige Zentimeter größer sein. Als Substrat verwendet man eine lockere, humose Mischung mit etwas Sand.

Braune Blattspitzen sind häufig eine Folge trockener Zimmerluft. Dabei bleiben die Fieder oder Wedel grün. Verfärben sich die Wedel vollständig braun und sterben ab, kann Wurzelfäule vorliegen. Sie tritt auf, wenn die Palmen zu viel Wasser erhalten. An Schädlingen sind vor allem Spinnmilben in trockener Zimmerluft häufig, auch Schild-, Woll- und Schmierläuse treten auf. Sie lassen sich durch mehrmaliges Besprühen der Pflanzen mit handelsüblichen Insektiziden bekämpfen.

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